Astronomen, deren Forschungsobjekte sich gemeinhin in Entfernungen befinden, die nach Millionen von Lichtjahren gemessen werden, haben ein näher liegendes Beobachtungsfeld ausgemacht: den Schmutz in der Erdatmosphäre. Die Fernrohre der großen Observatorien – so argumentierte ein Astronomen-Team aus dem US-Staat Washington im Wissenschaftsblatt "Nature" (Vol. 233, No. 5318) – eignen sich besonders gut für den Nachweis von Aerosolen, kleinen in der Luft schwebenden Teilchen von einem Durchmesser zwischen einem tausendstel und einem millionstel Millimeter, die den Hauptbestandteil der Luftverschmutzung bilden.

Für solch umweltorientiertes Tun können die Himmelsgucker in der Tat eine Tradition vorweisen. Schon lange haben sie sich für die Luft interessiert, denn sie verschluckt einen Teil des Sternenlichts – mal weniger, wenn ein Stern im Zenit beobachtet wird, mal mehr, wenn er eben über den Horizont schimmert. Für Entfernungsmessungen innerhalb unserer Milchstraße sind die Astronomen indes auf eine möglichst ungetrübte und genaue Kenntnis der Helligkeit eines Sterns angewiesen, und so haben die meisten Sternwarten seit Jahrzehnten auch Daten über die Extinktion – dies der Fachterminus für Undurchsichtigkeit – der Luft gesammelt, um ihre Messungen korrigieren zu können.

Diese Datensammlung kann leicht zum Schmutz-Schnüffeln umfunktioniert werden. So berichtete vor einigen Monaten die Mount-Wilson-Sternwarte in Kalifornien ein ständiges Anwachsen der Undurchsichtigkeit in den letzten fünfzig Jahren. Der naheliegende Grund: In Los Angeles produzierter Schmutz verdunkelt zunehmend den Himmel vor dem Teleskop.

Die Washingtoner Astronomen hatten sich nunmehr ein höheres Ziel gestellt. Sie wollten die weltweite Verschmutzung untersuchen und analysierten dazu Daten von drei Sternwarten, die alle sehr weit von industriellen Ballungsräumen entfernt sind. Ihr tröstlicher Befund: Eine globale Verschlechterung der Luft hat bislang nicht stattgefunden. So unbekömmlich das Klima in den Großstädten mittlerweile geworden sein mag, die Atmosphäre ist offenbar groß genug, um die Schmutzmengen bis zur Unmerklichkeit zu verdünnen, wenn man sich nur weit genug von der Zivilisation entfernt.

Allerdings halten die Sterngucker Kontrolle für besser als einen unbegründeten Optimismus, und so wollen sie ihre schmutzseherischen Fähigkeiten in ein weltweites Programm zur Umweltüberwachung einbringen. A. F.