Die beiden ersten Tage der China-Debatte in den Vereinten Nationen zeigten, daß Washington – wenn überhaupt – seinen Antrag auf Zulassung Pekings und gleichzeitige Beibehaltung der Mitgliedschaft Taiwans nur mit äußerst knapper Mehrheit durchbringen wird. Am Montag befürworteten 22 Staaten den albanischen Antrag, Taiwan zugunsten der Volksrepublik auszuschließen. Ebenfalls 22 Staaten unterstützten den amerikanischen Antrag, den Ausschluß zur wichtigen Frage zu erklären, die mit Zweidrittelmehrheit entschieden werden müßte. Ein weiterer, mit einfacher Mehrheit zu entscheidender Entschließungsantrag Washingtons sieht vor, anschließend Peking aufzunehmen und ihm den ständigen Sitz im Sicherheitsrat zu übertragen.

Zu Wochenbeginn schwankten die Wetten zwischen 60 zu 54 für und 60 zu 55 Stimmen gegen die amerikanische Politik. Obwohl die USA in den beiden vergangenen Wochen unermüdlich versuchten, die Unterstützung kleinerer Staaten für sich zu gewinnen – wobei Außenminister Rogers auch sanften Druck und finanzielle Köder nicht verschmähte – richtet sich Taiwan, nicht zuletzt unter dem Eindruck der zweiten Peking-Reise Kissingers, auf einen Ausschluß ein.

Wenig Aussicht wird dem Kompromiß-Vorschlag Saudi-Arabiens gegeben, wonach Peking die chinesische Stimme erhalten und Taipeh zukünftig, nur die "Republik Taiwan" repräsentieren soll.