Was sich der "Innungsverband für das nordrheinische Friseurhandwerk" dieser Tage geleistet hat, dürfte ein Fall für die Kartellbehörde Nordrhein-Westfalens sein. In einem Rundschreiben an die Mitglieder nimmt der Verband auch zur Preisgestaltung Stellung. Da Preisabsprachen und geheime Empfehlungen verboten sind, wird davon gesprochen, daß eine zwanzigminütige Haarschneidezeit im Jahre 1980 mindestens 13,20 Mark kosten muß.

Diese Rechnung soll zeigen, welche Entwicklung auf die Coiffeure zukommen wird. Die Empfehlung, Preisanhebungen nicht in großen Sprüngen vorzunehmen, läßt nur den einzig möglichen Schluß zu, die Barbiere sollten sich selbst ausrechnen, in welchem Ausmaß sie ihre Preise anheben müssen, um rechtzeitig 1980 bei 13,20 Mark anzulangen.

Die Friseurinnung weiß, wie genau die Kartellbehörden Preisempfehlungen verfolgen. Daher wird die trickreiche Losung ausgegeben: Die Empfehlung des Vorjahres, Preisangleichungen "nicht linear und gleichzeitig vorzunehmen", hätten auch in diesem Jahr Gültigkeit. Der Verdacht liegt nahe, daß hier den Kartellbehörden Sand in die Augen gestreut werden soll, damit dort die versteckten Empfehlungen übersehen werden. Man kann gespannt sein, wie die Kartellbehörde in Düsseldorf auf dieses merkwürdige Innungsschreiben reagieren wird. hff