Sechs Jahre nur sind vergangen, seit der deutsch-polnische Bischofs-Briefwechsel statt Versöhnung erbitterten Streit zwischen katholischer Kirche und Kommunisten stiftete. Niemand konnte sich damals vorstellen, was letzten Sonntag in Rom möglich war: Um den Altar der Peters-Basilika saßen nebeneinander die Bischöfe Kominek und Hengsbach, die damals den Briefwechsel vorbereitet hatten; unter den Ehrengästen sah man neben SPD- und CDU-Abgesandten sogar – protokollarisch im Frack – zwei Kommunisten, nämlich jenen Warschauer Kirchenamtschef Skarszynski, der schon 1965 amtierte, und den polnischen Botschafter in Italien; auch der greise Vatikan-Botschafter einer vergessenen polnischen Exilregierung war dabei.

Was sie zusammenführte, war Verehrung oder doch Respekt für jenen polnischen Franziskaner Kolbe, der sich im Vernichtungslager Auschwitz für einen zum Tode bestimmten Familienvater als Stellvertreter meldete. Diesem Helden der Nächstenliebe hatte Hochhuth 1963 seine Polemik gegen den "Stellvertreter" Pius XII. gewidmet; von einem anderen Papst wurde der Mönch nun selig gesprochen.

Kolbes weltliche Aktivität und sein Marienkult blieben auch in den Gedenkreden nicht unumstritten. Kardinal Döpfner meinte im Unterschied zu Kardinal Wyszynski, daß manches daran "zeitbedingt war und heute überholt ist". Doch für beide Kardinäle ist Kolbes Sterben Symbol für die Überwindung des Hasses.

Freilich blieb Döpfner wie 1965 schon nur im allgemeinen. Seitdem ist jedoch politisch Konkretes geschehen – ohne die Kirchen. Auch sie haben davon Gewinn; denn wie anders wäre es möglich geworden, daß 2000 Polen mit 38 Bischöfen von Warschau nach Rom fliegen konnten, daß sie wieder im Gespräch mit den Deutschen sind und daß der Papst zu Füßen der Pieta Michelangelos mit einem polnischen Minister die nächste Verhandlungsrunde vereinbart. Hj. St.