Für neue Unruhe im Ruhrbergbau sorgte unvermittelt der nordrheinwestfälische Wirtschaftsminister Riemer. Von einer Informationsreise nach Großbritannien kam Riemer mit der Erkenntnis zurück, daß mindestens noch einmal zehn Zechen an der Ruhr schließen müßten, wenn Großbritannien der EWG beitritt. Der verstaatlichte englische Kohlenbergbau fördere jährlich 147 Millionen Tonnen, also rund 50 Prozent mehr als nach der Durchführung des Anpassungsplanes für die Ruhrkohle in der Bundesrepublik produziert werden sollen. Riemer: "Dann würden Importe aus England je Tonne um acht Mark billiger sein als deutsche Kohle."

Die IG Bergbau kritisierte die Äußerungen als "unqualifiziert und spekulativ", während die Ruhrkohle AG auf den Anpassungsplan hinwies, der die Ruhrkohle auf eine gesunde Basis stellen soll und der unverändert in Angriff genommen werde.

Die "günstige" Konkurrenzlage der Briten wundert Kenner. Für das am 31. März zu Ende gegangene Wirtschaftsjahr rechnet das National Coalboard mit einem Verlust von rund hundert Millionen Mark, nachdem im Jahr zuvor noch ein Minus von 450 Millionen Mark ausgewiesen wurde. mh