Von Heidi Dürr

Kenner alten Porzellans laufen zuweilen wie Geheimbündler herum: Ihre Kennzeichen tragen sie unter dem Rockaufschlag. Anders jedoch als bei den Mitgliedern obskurer Vereinigungen dient ihr "Abzeichen" nicht der Identifizierung Gleichgesinnter, sondern einem ganz konkreten Zweck. Es ist eine Stecknadel, mit der Keramik-Spezialisten vorsichtig auf der Oberfläche alter Porzellane entlangstreichen, um Reparaturen zu entdecken. Stößt die Nadel auf einen leichten Widerstand – dort nämlich, wo eine reparierte Stelle neu glasiert wurde und sich alte und neue Glasur überlappen –, ist der Zweifel an der einwandfreien Erhaltung des Stücks bestätigt.

Nicht immer freilich bedarf es einer solchen Nadelprobe, um Ausbesserungen und Ergänzungen zu erkennen. Oft kann man sie mit bloßem Auge ausmachen, denn das Reparatur-Porzellan, das anders zusammengesetzt ist als die originale Masse, nimmt im Laufe der Zeit eine andere Farbe an.

Schwieriger und umständlicher als die Entdeckung von Reparaturen, die – je nach ihrem Umfang – den Wert eines Objekts erheblich mindern können, ist meist der Nachweis einer Fälschung.

Porzellanfälschungen sind keine Erfindung unserer Zeit, keine Folge des Kunstmarkt-Booms der vergangenen fünfzehn Jahre. Seit 1709 im sächsischen Meißen das Geheimnis der Porzellan-Herstellung für Europa neu entdeckt wurde (die Chinesen kannten es längst), gehört das "weiße Gold" zu den begehrtesten, höchstbezahlten und meistgefälschten Objekten des Kunstgewerbes. Schon im 18. Jahrhundert ahmten andere Manufakturen das teure Meißener Porzellan nach. Später wurden auch andere gesuchte Porzellane, einschließlich der chinesischen und japanischen, kopiert. Im 19, Jahrhundert entstanden dann große Werkstätten, die sich ausschließlich oder zumindest hauptsächlich mit Fälschungen beschäftigten.

Eine dieser Manufakturen produziert auch heute noch "Porzellane des 18. Jahrhunderts": die Firma Samson in Paris, R’ue Beranger Nummer 7. An Vorbildern mangelt es ihr nicht: Ihr Archiv enthält fast 20 000 verschiedene Originale aus Meißen und Sèvres, Chelsea und Capo di Monte, China und Japan.

Die Firma Samson wurde 1845 gegründet; die Kopisten-Dynastie besteht heute in der vierten Generation. Alle Arbeiten werden wie ehedem per Hand ausgeführt – die Ausformung der Objekte ebenso wie die Malerei. Schon Ende des vergangenen Jahrhunderts beschäftigte das Unternehmen bis zu 125 Arbeiter und Künstler.