Auch in Deutschland wurde fleißig kopiert, oft mit ganz legitimer Absicht. Denn wie bei allen Kopien von Kunstwerken beginnt der Betrug nicht mit der Produktion, sondern erst dann, wenn eine Nachahmung als echt oder alt angeboten wird.

In der Meißener ebenso wie in anderen Manufakturen wurden und werden noch immer die alten Modelle nachgeahmt, teilweise auch die für eine bestimmte Zeit oder einen bestimmten Auftraggeber reservierten Marken. In Meißen konnte man zwischen 1814 und 1833 noch darauf bestehen, daß Stücke mit den Schwertern und dem Marcolini-Sternchen gekennzeichnet wurden – einer Marke also, die der Manufaktur-Chef von Marcolini für seine Direktionszeit (1775–1813) angeordnet hatte Und die normalerweise später nicht mehr verwendet wurde. Im 19. Jahrhundert wurde zuweilen auch noch die berühmte AR-Marke benutzt, die ursprünglich nur für die Aufträge des sächsischen Kurfürsten August des Starken verwendet werden durfte.

Manche Kopien stammen aus Betrieben, die Formen nicht mehr bestehender alter Manufakturen erworben haben. So kaufte beispielsweise die seit 1840 bestehende Passauer Firma Dressel, Kister & Co. im Jahre 1903 alte Höchster Formen, mit denen sie weiterproduzierte.

Um Fälschungen von alten Porzellanen zu unterscheiden, braucht der Sammler ein möglichst großes Maß an optischer Erfahrung mit altem Porzellan, Kenntnisse über Formen, Dekors und Marken der einzelnen Manufakturen und ihrer Künstler sowie die Bereitschaft zu literarischen und künstlerischen Studien.

Altes Porzellan ist schwerer als Erzeugnisse aus jüngerer Zeit. Auch optisch läßt es sich von jüngerem unterscheiden: Im 18. Jahrhundert waren die Bestandteile der Porzellanmasse chemisch nie so rein wie in späterer Zeit. Da sich diese – unfreiwillige – mangelnde Perfektion nicht nachahmen läßt, wirken jüngere Porzellane immer reiner, einwandfreier; sie weisen keine unbeabsichtigten Mängel in der Porzellanmasse auf.

Als wichtiges Unterscheidungsmerkmal wird meist das Grün angesehen. Im 18. und auch in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurden ausschließlich aus Kupferoxyd gewonnene grüne Farben verwendet. Erst um 1840 wurde das Chromgrün erfunden, das sich wesentlich leichter verarbeiten läßt und das man deshalb seit dieser Zeit meist für die Porzellan-Malerei verwendete. Beide Farb-Arten lassen sich leicht voneinander unterscheiden: Kupferoxyd-Grün lüstriert, Chromgrün dagegen nicht. Porzellane mit Malerei in Chromgrün können also nicht vor 1840 entstanden sein.

Der Umkehrschluß, daß Kupferoxyd-Grün immer auf ein Entstehungsjahr vor 1840 deutet, trifft jedoch nicht zu. Denn raffinierte Fälscher haben sich auch nach dieser Zeit noch des alten Grüns bedient. In der Dresdner Porzellan-Sammlung befindet sich ein silbermontierter Deckelkrug, der 1901 als eine um 1730 in Meißen entstandene Arbeit gekauft wurde und mit Kupferoxyd-Grün bemalt ist. Der Krug stellte sich später als eine Kopie aus dem Ende des 19. Jahrhunderts heraus.