Knapp einer Niederlage entging der "große Herr und Meister" – so nennen ihn inzwischen viele Genossen im Privatgespräch – sodann in der vergangenen Woche im Münchner, Salvatorkeller auf dem Nockherberg. Eine weitere Runde im seit Februar dieses Jahres anhaltenden Machtkampf der Parteiflügel ging über die Bühne. Der schnauzbärtige Münchner Juso-Chef Siegmar Geiselberger, 33, wurde von der Kandidatenliste für die Stadtratswahl im nächsten Jahr, auf der er einen sicheren Platz hatte, wieder gestrichen. Mit nur zwei Stimmen Mehrheit konnte Vogel seinen Willen durchsetzen.

Ausgangspunkt ist ein Artikel in den jusoinformationen, in dem ein unbekannter Juso namens Mauer Vogel und andere SPD-Politiker als "Statthalter des Kapitals" (siehe ZEIT Nr. 38/71) bezeichnet hatte. Geiselberger wiederum, zornig und ungeschickt, hatte sich mit dem Verfasser des Pamphlets solidarisiert und soll gar noch öffentlich verkündet haben, daß "diese dumme Kriecherei vor Dr. Vogel nun endlich ein Ende haben müsse".

Vogel, der sich als Oberbürgermeister gern "überparteilich" darstellte, zeigt sich jetzt als Parteimann weitgehend kompromißlos. Auf das Argument, eine Partei, die einen Herbert Hupka aushält, müsse auch einen Geiselberger verkraften können, entgegnet er: "Wir hätten der Partei viel erspart, wenn wir Hupka noch einen Tag vor der Bundestagswahl von der Liste abberufen hätten." Nur eine ganz knappe Mehrheit der 232 Unterbezirksdelegierten mochte das schwere Geschütz, das Vogel gegen den Juso aufgefahren hatte, bedienen. Manche hatten geglaubt, mit einer "Bockfotzn", einer saftigen Ohrfeige, hätte man den Fall besser bereinigt.

Dem Muster-SPD-Mann Vogel will es nicht gelingen, die Münchner Genossen zu einigen. Selbst die Frankfurter Allgemeine macht sich Sorgen: "Die gesamte bayerische SPD kann nur hoffen, daß die Wähler den mutigen und aufreibenden Kampf, zu dem sich Vogel innerhalb seiner Partei gezwungen sieht, entsprechend achten und honorieren. Denn ohne Vogel wäre die bayerische SPD, außerhalb Münchens ohnehin ziemlich schwach, arm dran."