Von Carl Schmidt-Polex

Die Münchner kommen kaum mehr darum herum, an Ereignissen teilzunehmen, über die sie in der Zeitung und mit angemessener Verspätung etwa folgendes lesen: "Viele, Consules unter den Gästen, viele Hände geschüttelt, nur einen Tomatensaft verzehrt". Oder aber so: "Sie (gemeint ist Brigitte Bardot) schaut mir unverschämt tief in die Augen – fast eine Minute lang. Ihr Blick ist heiß – verheißungsvoll. Mir klopft das Herz." Gelegentlich noch ein paar Spuren erdverbundener: "Ich war dort und aß mit Prominentenanwalt Hermann Messmer Gans- und Hirschbraten um die Wette."

Täglich sorgen mittlerweile drei Gesellschaftskolumnisten dafür, daß Münchner Bürger-, spätestens beim Frühstück oder während der U-Bahn-Fahrt ins Büro erfahren, was sie am Vorabend alles versäumt haben. Welcher Nachtklub von wem und warum eröffnet wurde, ob das Büfett den Ansprüchen der Gaumen genügte ("Man labte sich am kalten Büfett, dessen selbstgemacht ter Heringssalat mir noch lange in Erinnerung bleiben wird"), ob sich Rosemarie Springer Sorgen macht um ihre neue Frisur, nachdem ein Teil ihres Haares einem (natürlich stadtbekannten) Figaro zum Opfer gefallen ist.

Wie radargesteuerte Nachtjäger durchstreifen sie ein Revier, das sich vom Kellerlokal in einer Münchner Vorstadt bis zum Palace-Hotel in St. Moritz erstreckt, vom Bungalow der Industriellenwitwe bis zum Boudoir eines Starlets. Dabeizusein bedeutet für diese drei Jäger vieles, für ihre Opfer freilich mehr: nämlich alles.

Es notieren im Dienste, der drei Münchner Boulevardzeitungen:

  • Johann Baptist Obermaier, "Hannes" genannt und als "Hunter" seit fast zwanzig Jahren Deutschlands bekanntester Gesellschaftskolumnist. Als der "Jäger" im vergangenen Sommer seinen Hochsitz bei der Abendzeitung verließ und zu Bild überwechselte, provozierte er damit seine erste lokale Konkurrenz.
  • Die AZ ließ aus dem eigenen Stall den Jungmann Michael Graeter vom Stapel und
  • seit Mai dieses Jahres versucht schließlich Almut Hauenschild, 26 Jahre alt, im Dienste der tz die Spuren der Münchner Schickeria nicht aus den Augen zu verlieren.

"Ich bin jetzt beim James im Keller", spricht Hannes Obermaier in das Telephon. Am anderen Ende ist Heide, ein ehemaliges Photomodell, seine Frau. Es ist 10 Uhr abends. Hunter zündet eine neue Zigarre an, nimmt einen platonischen Schluck aus einem Sektglas. "Magst’ kommen?" fragt er, "die ganze alte Garde ist da." Sie mag nicht kommen. Sie kennt den Schmäh seit vielen Jahren. "Mei Frau kann dem ganzen Trubel nix mehr abgewinnen."