Köln

Die lokalen Affären der "Ks" machen der SPD in Nordrhein-Westfalen zu schaffen und lassen selbst Regierungschef Heinz Kühn nicht gleichgültig: Nachdem der ehemalige Gladbecker OB Kalinowski wegen einer Grundstücksaffäre aus der SPD ausgeschlossen wurde und damit praktisch die Mehrheit der Regierung Kühn/Weyer auf 101 Stimmen im 200köpfigen Landesparlament dezimierte, die Affäre des SPD-Millionärs Josef Kun vor einen Untersuchungsausschuß kommt, erreicht Düsseldorf die Kunde einer neuen Affäre aus dem Kreis Bergheim/Erft, vor den Toren Kölns gelegen.

Die Bodenkäufe von Richard Kasper lösten nicht nur Unmut in der lokalen Presse aus; auf einen Antrag der Jungsozialisten des Bezirks Mittelrhein muß sich nun auch der SPD-Bezirksvorstand in dieser Woche mit dem Landtagsabgeordneten Kasper beschäftigen.

Der 39jährige Kasper wird im Kreis Bergheim wegen seiner Machtfülle "König Richard" genannt. Im Handbuch des Landtages von NRW werden seine Posten aufgeführt: "Mitglied der SPD seit 1954, der IG Bergbau Und Energie seit 1947. Von 1960 bis 1962 Gemeinderatsmitglied und seit 1962 Bürgermeister in Quadrath-Ichendorf. Landrat des Kreises Bergheim seit 1964. Mitglied des Vorstandes des Landkreistages Nordrhein-Westfalen seit 1970. Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugesellschaft "Erftland" seit 1964. Abgeordneter des Landtags NRW seit 24. Juli 1966."

Landrat Kasper nun besitzt neben seinem Bungalow noch zwei weitere Grundstücke von 2400 qm, die der Bürgermeister von seiner Gemeinde Quadrath-Ichendorf zu ortsüblichen Preisen gekauft hat.

Eine Privatfehde zwischen SPD-Landrat Kasper und SPD-Kreisdirektor Hans Otten – beide Genossen duzten sich noch bis vor kurzem – ließ diese Grundstückskäufe und den geplanten Kauf eines vierten Grundstücks an eine größere Öffentlichkeit kommen. Otten verhinderte durch "energisches Einschreiten", wie er selbst sagt, den Kauf des Gutes Wiedenau (27 500 qm, Preis um 89 000 Mark) an Landrat Kasper.

Inzwischen ist Kreisdirektor Otten durch Beschluß des Kreistages vom Dienst suspendiert. Ihm werden schwere Dienstvergehen vorgeworfen. Gegen Otten machten Oberkreisdirektor Gottstein, Landrat Kasper und die SPD-Mehrheit im Kreistag Front. Der Kampf der Genossen im Kreis Bergheim aber geht weiter. Eine neue Ebene erreichte er, als die Jusos die Machtfülle Kaspers kritisierten und seine Bodenkäufe unter die Lupe nahmen.

Nun, der Bezirksvorstand der SPD Mittelrhein hat das Wort. Ob er sich allerdings ausführlich mit Kasper beschäftigen kann, bleibt die Frage. Ihr Vorsitzender Karl Wienand nämlich ist gerade in die Sache mit der Charterfluggesellschaft "Paninternational" verwickelt. Richard Kasper aber sieht seine Weste rein: "In Quadrath kann sich jeder so viel Grundstücke kaufen wie er will. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, daß ich die Grundstücke von der Gemeinde erworben habe. Da ist rechtlich alles einwandfrei. Was ich mir angeschafft habe, war mit meinem ehrlich verdienten Geld, Da ist nichts gekunkelt." E. J.