Von Gabriel Laub

In der großen Diskussion über den Paragraphen 218 haben die Gegner der Abtreibung die edleren Argumente. Sie handeln uneigennützig, da sie selber nachweislich nicht abgetrieben nicht den sind, mindestens nicht rechtzeitig und nicht erfolgreich, und nicht mehr abgetrieben werden können. Das ganze Problem betrifft sie nicht persönlich, denn auch nach einer immerhin möglichen Abschaffung des totalen Abtreibungsverdazu wird niemand die Gegner der Abtreibung dazu zwingen, abzutreiben. Sie vertreten und ausschließlich die Interessen des Altruismus und der Gesellschaft.

Die Befürworter des freien Schwangerschaftabbruchs vertreten dagegen die egoistischen Interessen der betroffenen einzelnen. Die Gesellschaft ist ein Abstraktum, die einzelnen sind konkret. Deswegen stehen natürlich die Interessen der Gesellschaft höher – obwohl ich mir nur schwer vorstellen kann, daß sie ganz woanders lägen als die der die Gesellschaft bildenden einzelnen.

Es muß jedoch so sein, sonst könnte es keine Konflikte geben zwischen den beiden Kategorien von Interessen. Wenn es nicht ganz klar ist, was das eigentlich ist, dieses abstrakte Interesse, dann darf man annehmen: es sind die, die immer auftreten, wenn die Nichtbetroffenen für und über die Betroffenen entscheiden.

Im Falle des Streites um die Abtreibung ist das Interesse der Gesellschaft eindeutig und klar: der Schutz des werdenden Lebens. Jedes werdende Leben bedeutet doch eine künftige Arbeitskraft, einen Soldaten, einen Konsumenten Wir alle brauchen sie: wir Gesellschaft.

Das klingt vielleicht ein bißchen zu nüchtern und praktisch, es ist aber reiner Altruismus. Ein Altruist ist eben ein edler Mensch, der alle Menschen liebt, die ihm ein bequemes Leben verschaffen. Er haßt nur die Egoisten, da das Leute sind, die mehr an sich selber denken als an ihn. Die paar Millionen Frauen und Männer, die sich aus nur ihnen bekannten Gründen weigern, uns künftige Soldaten, Arbeitskräfte und Konsumenten zu schenken, sind natürlich Egoisten.

Vor allem die Frauen sind egoistisch, die sagen, daß sie über ihren Bauch selber verfügen wollen – dabei meinen sie natürlich auch ihren Kopf und ihre Seele, ihren Beruf und ihre soziale Stellung. Sie wollen nur deshalb keine Kinder für uns gebären, weil sie zu jung oder zu alt sind, weil sie vielleicht noch studieren wollen oder im Beruf weiterkommen, weil sie schon Kinder haben oder sich ein Kind finanziell nicht leisten können; sie wollen die Leibesfrucht nicht austragen, weil das ihre Familie zerstören oder sie zwingen kann, eine Familie zu gründen, die keine Chance hat, gut zu werden. Sie sind einfach nicht opferbereit genug, um das eigene Wohl und vielleicht das eines Mannes oder der Kinder, die sie schon haben, auf dem Altar der Gesellschaft darzubringen. Jeder, der selber keine Kinder zeugen oder gebären kann, wird einsehen, wie egoistisch das ist.