Von Franz K. Kurylo

An manchen Tagen finden in Köln zwei Aktionen gegen "den 218" statt. Die "Heinzelmenschen" sammeln auf der Hohen Straße Unterschriften gegen den Abtreibungs-Paragraphen 218, und Bürger aus dem Kölner Norden agitieren gegen den Flächennutzungsplan 218. Da sieht der Betrachter, wie jüngst am 2. September, dann einen Zug von 2000 Demonstranten auf der Hohen Straße auf sich zu marschieren, in dem unter dem Motto "Weg mit dem 218" sogar ein katholischer Pfarrgeistlicher mitzieht – verwirrend für den Ortsfremden, wenn dazu Kinderchöre im Zug rufen: "Wir wollen bleiben, wir lassen uns nicht vertreiben." Nicht verwirrend aber für den Kölner. Der kann nach den jahrelangen Querelen um den Flächennutzungsplan 218 sehr wohl diesen und den Streit um den Abtreibungsparagraphen 218 auseinanderhalten.

Der Flächennutzungsplan-Entwurf 218 ist Euphorie und Trauma einer deutschen Gemeinde – von Köln stellvertretend für alle Kommunen in der Bundesrepublik erlitten.

Der Plan sieht vor: die Bewohner aus fünf Wohngebieten im Kölner Norden (7150 Menschen) sollen ausgesiedelt werden, damit die Stadt finanzstarken Gewerbesteuerzahlern ein zusammenhängendes, 5,8 Quadratkilometer weites Industriegebiet anbieten kann. In einer Zeit, in der kleinbürgerliche Eigenheim-Ideologie die leeren Flächen der Ballungsgebiete weitgehend zersiedelt hat, wird ein Raum, der nach Quadratkilometern zählt, von den Kommunen angeboten, die, getrieben von der Jagd nach Gewerbesteuer, um die Gunst der großen Steuerzahler buhlen.

Und das nicht irgendwo weit vom Schuß, am Zonenrand oder in sonst einem Notstandsgebiet. Sondern mittendrin im Westen. Dort, wo der Rubel rollt, wo sich kaum ein Interessent noch solche Chancen ausgerechnet hätte: Neun Kilometer vom Kölner Dom, eine halbe Autostunde von den Flughäfen Lohhausen und Wahn direkt an der Rheinschiene mit Bundes-, S-, Stadt- und U-Bahn-Anschlüssen, mit einem eigenen neuen Hafen zum Strom, eingebettet ins Geflecht der westeuropäischen Autobahnen, das Geflecht der Rohöl-, Erdgas- und Produkten-Pipelines, ins Geflecht der Wirtschaft an Rhein und Wupper, jenes Flüßchens, das als Symbol für deutschen Gewerbefleiß steht.

Die Wupper, die gegenüber dem Plangebiet 218 in den Rhein mündet, die "schwarze Wupper", war aber bis in die jüngste Zeit auch das Symbol der durch deutschen Gewerbefleiß beeinträchtigten Umwelt.

Und das ist das Trauma des Flächennutzungsplans 218: Was wird die Industrie, die hier siedeln soll, an neuer Immissionsbelastung, an Abgasen und Lärm, für den bereits hoch beanspruchten Raum im Norden Kölns bringen?