Rudolf Augstein, Herausgeber des "Spiegel", eines nach seinen Worten "im Zweifelsfall linken Blattes", hofft auf Deutschlands überwiegend rechts orientierte Manager. Mit ihrer Hilfe möchte er seinem neuen "Manager Magazin", dessen Startnummer Anfang November herauskommt, einen führenden Platz auf dem expansiven Markt der Wirtschaftszeitschriften sichern.

Um den Eindruck zu vermeiden, eine Art Wirtschafts-"Spiegel" an den Mann bringen zu wollen, tat Augsteins Verlagsdirektor und Objektbetreuer Hans Detlef Becker alles, um das Monatsblatt der Imagesphäre des Stammmagazins zu entrücken. "Manager Magazin berichtet sachlich, kurz, ohne journalistische Überspitzung", es "verzichtet auf Sensationen", heißt es in kühler Distanz zur "Spiegel"-Masche. Statt im "Spiegel"-Hochhaus in der Hamburger City residiert die neue Magazin-Mannschaft, der kein "Spiegel"-Redakteur angehört, in zwei großzügigen Altbauvillen unweit der Außenalster.

Sein jüngstes Verlagsobjekt brachte Augstein jedoch nicht allein auf die Welt, sondern zusammen mit einem auf diesem Sektor erfahrenen Partner: mit dem amerikanischen Verlagsgiganten McGraw-Hill, der 1970 rund 1,2 Milliarden Mark umsetzte und unter anderem Herausgeber des Wirtschaftsmagazins "Business-Week" ist.

Knistern in der Crew

Freilich konnten auch die Amerikaner, die an der eigens gegründeten "Management und Marketing Verlagsgesellschaft mbH" mit 49 Prozent beteiligt sind (51 Prozent liegen beim "Spiegel"-Verlag), nicht verhindern, daß es in der etwas spät zusammengestellten Magazin-Crew schon vor einiger Zeit erheblich knisterte. Der als Chefredakteur engagierte Dr. Heinz Streicher, Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung bei BP, trat bei den feierlichen Meetings, die die Zeitschriftenmacher in den Hochburgen der deutschen Werbewirtschaft abhielten, zur allgemeinen Überraschung bereits nicht mehr in Erscheinung. Für ihn erläuterte der von "Capital" kommende Klaus Recht, der im ersten Heft auch für den Inhalt verantwortlich zeichnet, die Konzeption des "Manager Magazins".

Sah diese Konzeption ursprünglich die Behandlung von Themen aus dem Nahbereich der Managertätigkeit vor, so hat sich der Schwerpunkt inzwischen auf das weitere Umfeld bis hin zu psychologischen und rechtlichen Problemen verlagert.

Mit dem Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr ist seit einiger Zeit ein Unternehmen (zu 25 Prozent) am "Spiegel" beteiligt, das mit seiner Zeitschrift "Capital" selbst eine führende Rolle im Wirtschaftsmagazin-Geschäft verteidigt. In wenigen Jahren brachte es das monatlich erscheinende Blatt auf eine Auflage von über 160 000 Exemplaren. Pläne, den Themenbereich "Karriere" aus dem Objekt herauszunehmen und zum Gegenstand einer eigenen Zeitschrift zu machen, gaben die Marktstrategen im Hause Gruner + Jahr bis auf weiteres wieder auf, nachdem die nachlassende Konjunktur zahlreiche Unternehmen zu Einstellungsstopps veranlaßte. Der Herausgabe eines weiteren, auf Geldanlage spezialisierten Magazins scheiterte bisher daran, daß sich die Hamburger nicht entscheiden konnten, ob das neue Blatt als selbständiges Organ oder als Beilage für "Capital"-Abonnenten konzipiert werden soll.