Ausgesprochen unglücklich operierten die Verleger von der Elbe, als sie 1970 das zwei Jahre zuvor von dem Düsseldorfer Aktienratgeber Hans Achim Bernecker gegründete Börsenblatt "Der Aktionär" für 3,5 Millionen Mark erwarben. Der allgemeine Kursverfall, der das Anlageinteresse schlagartig erlahmen ließ, sowie konzeptionelle Fehler beim Ausbau des Börsenzirkulars zu einem populär-journalistisch gestalteten Geldanlage-Magazin führten dazu, daß sich auf dem Konto des Neuobjekts in kurzer Zeit Millionenverluste summierten. Als sich Gruner + Jahr im Sommer 1971 dazu entschloß, das Wochenblatt an den G + J-Gesellschafter und "Zeit"-Verleger Gerd Bucerius weiterzuveräußern, waren nicht weniger als fünf Millionen Mark verpufft.

Bucerius übernahm den "Aktionär", um das Blatt in seine eigene Wirtschaftszeitschrift, die aus dem traditionsreichen "Volkswirt" hervorgegangene "Wirtschaftswoche", einzugliedern. Außer dem als Untertitel geführten Namen hat die "Wirtschaftswoche" auch das Computer-Kursblatt und mehrere Geldanlagerubriken vom "Aktionär" übernommen. Drei Viertel der insgesamt 20 000 hinzugekommenen "Aktionär"-Abonnenten, weit mehr als zunächst erwartet, beziehen jetzt die "Wirtschaftswoche", die ihre Verkaufsauflage vom dritten Quartal 1970 bis zur selben Zeit dieses Jahres um fast 100 Prozent auf 76 5000 Exemplare steigern konnte.

Um Berneckers "Aktionär" hatte sich auch der Heinrich Bauer Verlag in Hamburg bemüht, der unter anderem "Neue Revue", "Praline", "Quick", "TV", "Sexy" und "Das Neue Blatt" verlegt und sein volkstümliches Bilderblattangebot gern um einen zugkräftigen Wirtschaftstitel ergänzt hätte. Doch Bauer, der sich selbst durch einen Vertrag mit einer Liechtensteiner Finanzfirma als rechtmäßiger Eigentümer des Blattes fühlte, mußte sich nach einem gerichtlichen Streit gegenüber Gruner + Jahr schließlich geschlagen geben.

Ehrgeizige Pläne auf dem unruhigen Spezialmarkt der Zeitschriftenbranche schien auch Axel Springer zu verfolgen, als er Anfang dieses Jahres die als Sprachrohr des Wirtschaftsrates der CDU geltende Publikation "Dialog" übernahm. Die Auguren mutmaßten sogar, der "Bild"- und "Welt"-Verleger wolle das CDU-fromme Blättchen zu einem "Anti-Spiegel" hochzüchten. Doch außer einem gestalterischen Make-up, das unschwer die Handschrift des hauseigenen Blattmachers Hagen verriet, ließ die von Springer-Aufsichtsratsmitglied Heinz Pentzlin redigierte Zeitschrift wenig neuen Glanz erkennen. "Dialog", das in einer Auflage von 140 000 Exemplaren herauskommt, wird unter Ausschluß des Zeitschriftenhandels an eine ausgewählte Zielgruppe gratis verschickt. Die gesamten Kosten werden aus den Anzeigenerlösen gedeckt.

Ebenso wie die "Dialog"-Leser beziehen auch die meisten Empfänger des im Münchner Verlag "Moderne Industrie" erscheinenden "Industriemagazin" (Auflage: 30 000 Exemplare) ihre Lektüre im sogenannten Exklusiv-Freiabonnement.

Im Ausland höhere Auflagen

Obwohl in der Bundesrepublik das Interesse breiter Kreise an wirtschaftlichen Themen in den letzten Jahren stark gestiegen ist, nehmen sich die Auflagen unserer Wirtschaftsblätter im Vergleich zu denen anderer Länder immer noch recht bescheiden aus. Die führende deutsche Wirtschafts-Tageszeitung, das Düsseldorfer "Handelsblatt", bringt es nur auf eine Verkaufsauflage von 55 000 Stück. Die Londoner "Financial Times" erreicht dagegen 170 000 und das in New York erscheinende "Wall Street Journal" sogar 1,3 Millionen Stück.