Der Jubel in der UN-Vollversammlung über die Aufnahme der Volksrepublik China hat nicht in allen Ohren gut geklungen. Gewiß, die Beitrittsgenehmigung für die volkreichste Nation der Erde war längst überfällig, und die jahrelangen Bemühungen, sie zu verhindern, wären inzwischen längst zu einer Absurdität geworden. Peking mußte endlich Mitglied der Weltorganisation werden. Aber ist der Preis, der mit dem Ausschluß der Republik China (Taiwan) dafür gezahlt wird, nicht zu hoch?

Nie zuvor in der 26jährigen Geschichte der Vereinten Nationen ist ein Mitglied ausgestoßen, worden. Völkerverständigung und Universalität sind die Prinzipien, die von der Organisation propagiert werden. Der Hinauswurf Taiwans aber ist eine Absage an diese Maximen, die schließlich Staaten von Äquatorial-Guinea bis Malediven zur Mitgliedschaft verhalfen. Geopfert wurde jetzt ein Land, das die UN mitbegründet hat und zu ihren eifrigsten und loyalsten Migliedern zählte.

Für ihre Abkehr vom Geist der Weltorganisation haben die verschiedenen Delegationen die unterschiedlichsten Argumente angeführt, historische, völkerrechtliche, weltpolitische. Aber sie alle täuschen nicht darüber hinweg, daß in den UN eine Entscheidung getroffen wurde, ohne daß die betroffenen 14 Millionen Taiwanesen gefragt wurden. Die Mehrheit ersetzte aus Gründen der politischen Opportunität die bisher unbefriedigende Regelung der Repräsentation Chinas durch eine ungerechte Lösung. Mit dem Ausschluß Taiwans wurde in der Weltorganisation ein unheilvoller Präzedenzfall geschaffen. Andere Mitgliedstaaten werden das möglicherweise schon bald zu spüren bekommen. D. B.