Während der gesamten Nachkriegsperiode stellte die politisch ungelöste deutsche Frage eine latente Gefahr für den Frieden dar. Während dieser Jahre sind viele Bemühungen unternommen worden, innerhalb dieses gefährlichen Gebietes politischer Spannung eine Entspannung durchzusetzen.

Das Nobel-Komitee des norwegischen Parlaments hat heute den Friedenspreis an Bundeskanzler Willy Brandt verliehen. Durch diese Wahl hat der Ausschuß versucht, die Absichten des Testaments von Alfred Nobel zu verwirklichen. Als Führer der Bundesrepublik Deutschland und im Namen des deutschen Volkes hat Willy Brandt seine Hand zur Versöhnung zwischen Völkern ausgestreckt, die lange Zeit Feinde waren.

Im Geiste des guten Willens hat er außerordentliche Ergebnisse bei der Schaffung von Voraussetzungen für den Frieden in Europa erzielt. Politische und militärische Entspannung zwischen Ost- und Westeuropa sind eine Voraussetzung für eine friedliche Entwicklung.

Das Komitee mißt der Tatsache Bedeutung bei, daß Willy Brandt sowohl als Außenminister der Bundesrepublik Deutschland seit 1966, als auch als Bundeskanzler seit 1969 konkrete Initiativen für eine solche Entspannung ergriffen hat. Das Komitee verweist auf die Unterzeichnung des Vertrages über die Nichtweitergabe von Atomwaffen und der Gewaltverzichtsabkommen mit Polen und der Sowjetunion. Darüber hinaus erinnert das Komitee an seine Bemühungen, für die Bevölkerung von West-Berlin die Grundrechte der persönlichen Sicherheit und der Bewegungsfreiheit zu gewährleisten.

Willy Brandt sieht die Stärkung der Zusammenarbeit in Westeuropa als integrierenden Teil eines Friedensplanes für ganz Europa. Im Hinblick auf die Stärkung der wirtschaftlichen und politischen Einheit Westeuropas hat der Bundeskanzler ebenfalls bedeutsame Initiativen ergriffen.

Das Nobel-Komitee betrachtet dieses gesamte Werk als einen fundamentalen Beitrag zur Stärkung der Möglichkeiten einer friedlichen Entwicklung nicht nur in Europa, sondern in der Welt als Ganzes.