Von Erwin Lausch

Nur sechs Stunden dauerte es, bis das notwendige Kapital bei den Banken gezeichnet war: Das neueste Projekt Dr. Leo Krutoffs, des Initiators und Mitbegründers der "Deutschen Klinik für Diagnostik" in Wiesbaden (von Vereinfachem gern "Deutsche Mayo-Klinik" genannt), war finanziell gesichert. Das als Kapitalanlage so hochgeschätzte Projekt heißt "Deutsche Zentren für Medizinische Vorsorge GmbH & Co", abgekürzt "dzm".

Ziel der Gesellschaft ist die Einrichtung von vorerst fünf Spezialinstituten, die ausschließlich der Vorsorgemedizin dienen sollen. Sie sollen sich also der Aufdeckung von Krankheiten bereits zu einem Zeitpunkt widmen, zu dem der oder die Betroffene von der drohenden Gefahr noch nichts spürt und zu dem die Chancen der Heilung oder wenigstens Verzögerung des Krankheitsprozesses oft ungleich günstiger sind als in weiter fortgeschrittenem Stadium des Leidens.

Erst im Februar dieses Jahres, so erzählt Krutoff mit berechtigtem Stolz, habe die Vorsorge-Gesellschaft, als deren Aufsichtsratsvorsitzender er fungiert, ihre Tätigkeit aufgenommen. Anfang November werden die ersten beiden Zentren eröffnet – am 2. November in Frankfurt, am 11. November in München. Zentren in Hamburg, Stuttgart und Essen sollen folgen.

Schon mit der Wiesbadener Klinik für Diagnostik hatte Krutoff den Medizinbetrieb in der Bundesrepublik um ein neues Element bereichert. In der Klinik werden nur Diagnosen gestellt, behandelt wird zu Hause. Nach Wiesbaden reisen Patienten, die "Problemfälle" sind und die von dem vielseitig spezialisierten Ärzteteam und den modernen Untersuchungsgeräten eine Klärung ihrer Beschwerden erhoffen. Wer bisher, sich gesund wähnend, nur zur Inspektion nach Wiesbaden fuhr, kann künftig eine Menge Geld sparen. Diese Aufgabe sollen die Zentren für Medizinische Vorsorge übernehmen, die Krutoff jetzt einrichtet. Der Patient, der sich gesund fühlt, braucht nicht länger Spezialisten in Anspruch zu nehmen, die die Ursache rätselhafter Krankheitserscheinungen herausfinden sollen. Er kann sich in einem Vorsorge-Zentrum einem Standardprogramm von Untersuchungen und Tests unterziehen, die Hinweise auf drohende Gefahren geben.

Mit den Vorsorge-Zentren zielt Krutoff auf einen sehr großen Kreis von Interessenten. Die ersten fünf Zentren, die zur Zeit im Bau oder in Planung sind, bezeichnet er lediglich als "erste Ausbaustufe". Nach jahrelangem Gerede von Ärztefunktionären, Politikern und Wissenschaftlern darüber, daß Vorsorgemedizin die Medizin der Zukunft sei, hat sich Krutoff offenbar als erster in der Bundesrepublik Gedanken darüber gemacht, wie Vorsorgemedizin rationell – und nur dann ist sie überhaupt in größerem Rahmen durchführbar – zu praktizieren sei. Jedenfalls hat er als erster gehandelt.

Weder Krankenhäuser noch niedergelassene Ärzte sind darauf eingerichtet, alle Vorsorge-Untersuchungen vorzunehmen, die heute nach dem Stand der medizinischen Erkenntnis notwendig erscheinen. Es fehlen die zum Teil sehr teuren Spezialgeräte, die sich wiederum nur bei ständigem Gebrauch rentieren. Es fehlt das speziell geschulte medizinische Hilfspersonal, das die in der Praxis oft vom Arzt vorgenommenen Standarduntersuchungen routinierter und billiger ausführt. Und es fehlt vor allem die Organisation, die es ermöglicht, sämtliche Untersuchungen, auch wenn sie verschiedenen medizinischen Fachbereichen angehören, in einer für den Patienten zumutbaren Zeit vorzunehmen.