Noch hat die Veba ihre Raffinerie am Niederrhein gegen den Widerstand besorgter Umweltschützer nicht unter Dach und Fach, da fällt ihr die Steag unversehens in den Rücken. Die 51prozentige Tochtergesellschaft der Ruhrkohle AG, zu deren Aktionären auch die Veba gehört, plant am Niederrhein ein Riesenkraftwerk von 3200 Megawatt. Die Ruhrkohle will an gleicher Stelle außerdem eine Kokerei bauen. Zusammen sollen dort jährlich 10 Millionen Tonnen Steinkohle verbrannt werden.

Nach heutiger Erkenntnis bedeutet das, daß bei dieser Menge stündlich rund 300 Tonnen Schwefeldioxyd in die Luft geblasen werden. Dagegen würden die Emissionen der Veba zwar nur ein unangenehmes Lüftchen sein. Dennoch werden sich die Umweltschützer jetzt noch energischer gegen jede zusätzliche Schmutzquelle zur Wehr setzen. Damit haben sich die Erfolgsaussichten der Veba erheblich verschlechtert, zumal an die Stelle sachlicher Argumente längst Emotionen getreten sind.

Das Unbehagen teilt auch die August-Thyssen-Hütte, die sich gegen zusätzliche Emissionsbelastung ausgesprochen hat. Neue Industriebetriebe sollen nur dann angesiedelt werden, wenn die bestehenden Unternehmen ihre Luftverschmutzung entsprechend verringern. Es ist bedauerlich, daß es die Industrie an Rhein und Ruhr bisher nicht verstanden hat, eine Art Clearing-Stelle zu schaffen, um bei allen Investitionsplanungen in Zusammenarbeit mit den Behörden und der Essener Landesanstalt für Emissionsschutz die berechtigten Wünsche von Industrie und Einwohner auf einen Nenner zu bringen. mh.