Die FDP will auch nach den Wahlen 1973 die Bonner Koalition mit der SPD fortsetzen. "Der gegenwärtige Zustand der CDU/CSU lädt – vorsichtig gesagt – zur Zusammenarbeit nicht ein", erklärte Bundesaußenminister und Parteivorsitzender Scheel am Montag zur Eröffnung des 22. ordentlichen FDP-Bundesparteitages in Freiburg. Ein gutes Drittel seiner Rede war dem Beweis gewidmet, daß die Union zur Zeit für die FDP nicht koalitionsfähig sei.

Die rund 400 Delegierten sollen ein gesellschaftspolitisches Sachprogramm verabschieden, das von einer Kommission unter Professor Maihofer ausgearbeitet worden ist. Maihofer leitete am Montagnachmittag die Diskussion über Thesen zum Eigentumsrecht, zur Mitbestimmung in Großbetrieben und zum Bodenrecht mit einem Grundsatzreferat ein. Der heißumstrittene Fragenkomplex Mitbestimmung wurde herausgelöst und für Mittwoch auf die Tagesordnung gesetzt, weil Scheel am Dienstag zur Begrüßung des niederländischen Königspaares nach Bonn reisen mußte. Die Thesen zum Grundeigentum und zur Vermögensbildung wurden nach langer Debatte mit nur geringen Veränderungen verabschiedet.

Am Dienstag wählten die Delegierten fast einstimmig den früheren Bundesgeschäftsführer Karl-Hermann Flach in das neu geschaffene Amt eines Generalsekretärs. Der 41jährige Ostpreuße, zuletzt leitender Redakteur bei der Frankfurter Rundschau, gilt als Vater des Sieges in den Bundestagswahlen von 1961.

Flach grenzte die Stellung der FDP sowohl gegenüber der CDU, die in Saarbrücken Reform und Vernunft verworfen habe, als auch gegenüber der SPD ab, der er Befangenheit in dem "technokratischen Irrtum" vorwarf, daß aus einer Veränderung der gesellschaftlichen Bedingungen ein neuer Mensch erwachse. Die FDP, weit entfernt von einer Einsparung in die linke Ecke, bilde hier ein notwendiges liberales Korrektiv.