Verehrter Herr Bundeskanzler, bei der Tagung des Deutschen Forums für Entwicklungspolitik wurde ich beauftragt, Ihnen die Glückwünsche der Mitglieder des Forums zum Friedensnobelpreis zu übermitteln.

Sie, Herr Bundeskanzler, haben in Ihrer Regierungserklärung und seither oft genug gesagt, daß Friedenspolitik für Sie wichtiger sei als alles andere. Im Vorwort zu Ihrem Buch Friedenspolitik in Europa schreiben Sie: "Nur der Friede macht unsere Welt sicher; nur auf der Grundlage der Sicherheit kann der Friede sich ausbreiten."

Die Mitglieder des Forums beobachten mit großer Sorge, daß die Grundlage der Sicherheit für die Entwicklungsländer immer schmaler wird.

Der Frieden allein reicht eben nicht aus, um deren Leben erträglicher zu gestalten. Drei Ereignisse, die die derzeitige Phase kennzeichnen, beschwören geradezu katastrophale Folgen für die Entwicklungsländer herauf: die Weltwährungskrise, der drohende Handelskrieg und die abflauende Konjunktur der Industriestaaten.

Die weltweite inflationäre Tendenz hat die terms of trade zu Ungunsten der Dritten Welt verändert: In den Jahren 1965–1970 sind die Preise der von ihnen exportierten Rohstoffe nur um vier Prozent gestiegen, während die von ihnen importierten Industriegüter um zwölf Prozent teurer wurden. Unter der rechnerischen Abwertung des Dollars leiden diese Länder bei weitem am meisten, während sie von einer möglichen Goldpreiserhöhung am wenigsten profitieren würden.

Es ist ferner vorauszusehen, daß die handelspolitischen Schwierigkeiten zunehmen werden, denn es wird in Zukunft zweifellos weniger Zollpräferenzen und mehr, wohl auch strengere, Lieferbedingungen aller Art geben – der drohende Handelskrieg wird zwangsläufig das Volumen des Welthandels reduzieren.

Schließlich läßt sich unschwer voraussehen, daß die europäischen Industrieländer durch Amerikas Forderung nach burden sharing und durch den Kampf gegen die Umweltverschmutzung zusätzlich so stark in Anspruch genommen werden, daß die Quote, die für Entwicklungshilfe zur Verfügung bleibt, dauernd abnimmt.