Die meisten seiner Beispiele belegen, wie selbst ein desolates Amerika noch immer genügend Kraft und Faszination besitzt, um die Europäer in seinen Bann zu schlagen. Ney entdeckt, zwar noch Differenzen im Grad der Amerikanisierung in den einzelnen europäischen Ländern; aber sie sind seiner Meinung nach nur marginal.

Mit den Engländern geht der Autor besonders hart ins Gericht. Die englischen Geschäftspartner seien unfähig, dekadent und zeigten – darin fühlt sich Ney von George Orwell bestätigt – durch ihre Nachgiebigkeit, daß "das englische Volk von einer Sklavenmentalität beherrscht" wird.

Das Urteil über Frankreich fällt nicht viel besser aus. Neys beißende Ironie richtet sich besonders auf de Gaulle, dessen Einfluß auf Gegenwart und Zukunft Frankreichs und auch Europas wohl selten so gnadenlos kritisiert wurde. Der Autor sieht in de Gaulle ein Symbol des "sentimentalen, zurückgebliebenen Europas", dessen "Regierungszeit zu einer ausgefeilten burlesken Posse (wurde) – zur antiamerikanischen Wiedergeburt der heiligen Johanna, mit dem Kreuz von Lothringen in einer Hand, der Schlafmütze auf dem Kopf, der Kerze in der anderen Hand, barfuß auf dem kalten Fußboden, mit Versprechungen, sein Volk zur Unabhängigkeit zu führen, und er endete als Uncle Sams Geheimagent".

Nachsicht übt Ney mit den Deutschen. Obwohl sie seiner Meinung nach viel weiter amerikanisiert sind als etwa die Franzosen oder Italiener, hat dieser Prozeß, wie er glaubt, nicht so viel Schwächen zutage gefördert und die Selbstachtung nicht so sehr zerstört wie in anderen Ländern.

Der Grund: "Nachdem die Deutschen zwei Kriege verloren hatten und als Verbrecher abgestempelt waren, mußten sie nackt vor ihre Richter treten, mußten gestehen, daß es auf ihre Art nicht ging, und hatten Ratschläge anzunehmen. Sie mußten es auf andere Weise versuchen, und welche andere Weise gab es denn außer der des Hauptsiegers, des einzigen Landes, dem es möglich gewesen wäre, sie ganz allein zu schlagen? Die Deutschen waren gedemütigt worden, weil sie politisch und militärisch im Unrecht gewesen waren, nicht etwa durch die abschließende Amerikanisierung; Darin liegt der wesentliche Unterschied gegenüber der Erfahrung des übrigen Europa, das durch die Amerikanisierung gedemütigt wurde."

Eine überzeugende These. Sie wird freilich entwertet durch langatmige, lächerliche Charakterisierungen der Deutschen seitens amerikanischer Landsleute, die Deutschland besser kennen als Ney. Was die Deutschen – so Ney – noch immer nicht übernommen haben, sind der Charme und die Sorglosigkeit der Amerikaner: "Niemand trägt samstagmorgens alte Kleider, niemand legt die Füße hoch, niemand ist jemals völlig unbefangen."

Weniger überzeugend geraten Ney die Urteile über die Situation im Ostblock. Die Atmosphäre von Hotelbars und Nachtklubs ist gewiß nicht typisch. Allzu rasch schließt er von den armseligen Dörfern abseits der Straßen nach Prag und ihren hoffnungslosen Bewohnern auf die Unfähigkeit des Kommunismus, aber ähnliche Trostlosigkeit kann John Ney auch in East-St. Louis oder den Armutsgebieten der Apalachen finden.