Von Franz C. Widmer

Sie sind schon da, von A wie "A. B. Metal Products Ltd." aus Abercynon in Wales, bis Z wie "Zerolit Ltd." aus London. Das bundesdeutsche Wirtschaftswunder hatte die – neidischen – Briten schon immer fasziniert. Und vom Wachstumsmarkt Germany hatten ihre Unternehmen denn auch seit Jahren profitiert. Über 600 Insel-Industrielle haben in der Bundesrepublik ihre Tochtergesellschaften, Vertretungen und Agenturen. 179,3 Millionen Pfund (knapp 1,5 Milliarden Mark) betrug – neuere Statistiken gibt es für solch komplizierte Analysen noch nicht – Ende 1968 der Buchwert aller britischen Deutschland-Investitionen. Dean Achesons Bonmot muß man wohl abwandeln: Großbritannien hat zwar ein Empire verloren, doch zumindest seine Unternehmer haben ein neues Reich gefunden.

Die Werbebotschaft etwa der Hamburger Consultantfirma Strauss & Partners in der Londoner Financial Times haben die als wenig unternehmungslustig und risikoscheu bekannten Briten-Bosse längst verstanden: "Die Chancen in Deutschland warten nicht aufs Parlament (und dessen Beitrittsbeschluß). Warum warten Sie? Deutschland ist sehr liberal – auch ohne Euren EWG-Beitritt."

Sie sind dem Lockruf beispielsweise der Düsseldorfer Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, die ihr Programm für "Economic Development in North Rhine/Westphalia" in prächtigen Broschüren anpreist, in Scharen gefolgt. Sie haben – kurz entschlossen – ihr Geld dort investiert, wo es die saftigsten Gewinne verspricht.

Die offizellen Statistiken des Londoner Departements für Handel und Industrie sind zwar mit Vorsicht zu genießen. Doch an den Größenverhältnissen läßt sich kaum rütteln. Danach erwirtschafteten die Deutschland-Briten im Jahre 1968 einen Gewinn von 28 Millionen Pfund, ein Verhältnis von Ertrag zu Kapitaleinsatz von 15,6, was nur noch in Brasilien oder Hongkong übertroffen wird. Die Kombination von britischen Pfunden und deutschen Muskeln (und Managern) ist offenbar profitabel.

Doch schlechtere Leistungen können sich die britischen Europa-Abenteurer gar nicht leisten. Die Währungshüter in der Bank of England haben es – wegen der jahrzehntelang angeschlagenen Zahlungsbilanz – nie gern gesehen, daß die Insulaner ihre Pfunde über den Kanal trugen.

Ziel eines komplizierten Bündels von Devisenkontrollen ist es – in der gespreizten Amtssprache – "nicht etwa, erfolgreiche Auslandsengagements zu verhindern, sondern eher für solche Finanzierungsmethoden zu sorgen, die unsere Zahlungsbilanz nicht negativ beeinflussen". Also muß einem "Super-Kriterium" genügen, wer fremdgehen will: Der Unternehmer erhält für sein Projekt offizielle Devisen für höchstens 250 000 Pfund, wenn sich die Zahlungsbilanz der Bank of England binnen 18 Monaten um den gleichen Betrag aktiviert und auch künftig gesteigerte Exporte oder repatriierte Gewinne zu erwarten sind.