Politik

Das Ziel: gute Nachbarschaft mit Ost und West

Es liegt zweifache Konsequenz in Willy Brandts Außenpolitik: die Konsequenz des eigenen Denkens, aber auch die Konsequenz jener außenpolitischen Linie, die alle Kanzler der Bundesrepublik seit 1949 verfolgt haben.

+ Weitere Artikel anzeigen

Wirtschaft

Beschäftigt - doch ohne Arbeit

Sorge um die Arbeitsplätze brachte sie erstmals nach zwei Jahren wieder an einen Tisch: Die italienischen Gewerkschaftsführer sprachen sich acht Stunden lang in Rom mit den Unter nehmern über die wirtschaftliche Lage aus.

+ Weitere Artikel anzeigen

DIE ZEIT

Pariser Salut

Die 101 Salutschüsse, die den Frankreichbesuch des sowjetischen Parteichefs einleiteten, stellten ein protokollarisches Maximalkaliber dar.

Gemeinsam etwas Großes bauen

Das britische Ja zur EWG setzt den Schlußpunkt hinter ein Vierteljahrhundert europäischer Fehlentwicklung. Es korrigiert Churchills Irrtum in den vierziger Jahren, der Kontinent lasse sich zur Einigung aufrufen, während England in einsamer Größe abseits bleibe, und es macht das Nein seiner Nachfolger zur Kohle- und Stahlgemeinschaft, später zur Wirtschaftsgemeinschaft wieder wett.

Versöhnt

Einem Ausflug in die Vergangenheit, in jene, die von den Völkern schon bewältigt ist, gleicht der Besuch des holländischen Königspaares in der Bundesrepublik.

Die Nase vorn

Rainer Barzel hat sich im Bundestag so rasch und mit so resolutem Schwung die Toga des Staatsmanns übergeworfen, daß die Beobachter immer noch im Zweifel sind, was sie mehr bestaunen sollen: den Staatspolitiker, der die Solidarität der Demokraten beschwor, oder die geschwinde Geschicklichkeit mit der der neue Parteiführer die Opposition auf elegante Weise aus einer schwierigen Situation herausmanövrierte.

Ausgestoßen

Der Jubel in der UN-Vollversammlung über die Aufnahme der Volksrepublik China hat nicht in allen Ohren gut geklungen. Gewiß, die Beitrittsgenehmigung für die volkreichste Nation der Erde war längst überfällig, und die jahrelangen Bemühungen, sie zu verhindern, wären inzwischen längst zu einer Absurdität geworden.

ZEITSPIEGEL

Teile von Fernsehfilmen westlicher Korrespondenten, die vor der Besetzung Ostpakistans durch westpakistanische Truppen aufgenommen, später aber von den Besatzern konfisziert worden waren, tauchten jetzt überraschend wieder auf – als Propagandafilm der Regierung in Islamabad, der ein friedliches Bild vom Leben im Ostteil des Landes vermitteln soll.

Mit Flach in die Schlacht

Das war gewiß nicht der größte Parteitag der Freien Demokraten. Wer 1967 die Schlacht von Hannover erlebt hat, den Großangriff auf den damaligen Parteivorsitzenden Mende und die alten Bastionen der Ostpolitik, wer in Freiburg 1968 dabei war und die Wahl Scheels, den Senkrechtstart Dahrendorfs und die Belagerung durch die Apo noch in Erinnerung hat – auf den wirkte der Freiburger Parteitag 1971 lange Zeit wie eine langweilige Pflichtübung: ohne große Spannung, ohne Höhepunkte.

Generationensprung nach Karlsruhe

Ernst Benda hat sich Redeverbot auferlegt, seit ausgemacht ist, daß ihn Anfang November der Wahlmännerausschuß des Bundestages zum Bundesverfassungsrichter und der Bundesrat anschließend zum neuen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts wählen wird.

"Auch für Deutschland"

Willy Brandt hat, schon ehe der Zweite Weltkrieg richtig in Gang gekommen war, den Frieden vorbereitet. Er war 1941 der Initiator einer Arbeitsgemeinschaft von Sozialdemokraten aus vielen europäischen Ländern in Stockholm.

Begründung des Nobel-Komitees

Während der gesamten Nachkriegsperiode stellte die politisch ungelöste deutsche Frage eine latente Gefahr für den Frieden dar.

Quidde

Im Jahre 1894 erschien aus der Feder eines Historikers namens Ludwig Quidde ein Aufsatz unter dem Titel "Caligula. Eine Studie über römischen Cäsarenwahnsinn", die frappierende Parallelen zu Wilhelm II.

Stresemann

Gustav Stresemann, der erste deutsche Staatsmann, der den Friedensnobelpreis erhielt, wurde ebenso wie Willy Brandt noch während der Amtszeit ausgezeichnet und noch ehe die Früchte seiner "Erfüllungs- und Verzichtpolitik" reifen konnten.

Ossietzky

Carl von Ossietzky (1889–1938) war der dritte Deutsche, dem – im November 1936 – der Friedens-Nobelpreis zugesprochen wurde.

Unsichtbar am Tisch

Als Georges Pompidou seinen Staatsgast Breschnjew im Glanz des Trianon-Palastes empfing, sprach er von der "glücklichen Fortdauer" französisch-russischer Beziehungen über die Jahrhunderte hinweg.

Königliche Ehren für den Genossen

Der Besuch des Mannes, den man die "Nummer eins" Sowjetrußlands nennt, hatte in Paris seine Schatten weit und kräftig vorausgeworfen.

Mein Ja zur EWG

Späte Antwort eines englischen Unterhausabgeordneten auf einen offenen Brief

Platzpatronen im Unterhaus

In mittelalterlichen Dramen haben die Teufel nicht härter, nicht listenreicher um die Seele der Christenmenschen gerungen als die Versucher von Westminster um die Stimme ihrer Freunde in der Fraktion.

Mao hat’s geschafft

Die China-Debatte im Glaspalast: Nach sechs Tagen Geplänkel ein Donnerschlag

Moskau – Washington: Vorsicht auf See

In nur elftätigen Verhandlungen haben die Sowjetunion und die USA in Moskau eine Übereinkunft erzielt, um zukünftig Kollisionen ihrer Kriegsschiffe zu verhindern.

Friedensnobelpreis für Willy Brandt

Bundeskanzler Brandt ist am vergangenen Mittwoch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. In der Begründung, die von der Vorsitzenden des Verteilungskomitees des norwegischen Parlaments, Aase Livnäs, in Oslo verlesen wurde, heißt es unter anderem: "Als Kanzler der Bundesrepublik Deutschland und im Namen des deutschen Volkes hat Willy Brandt seine Hand zur Versöhnung zwischen Völkern ausgestreckt, die lange Zeit Feinde waren.

Innerdeutscher Dialog: Schwierige Phase

Die innerdeutschen Gespräche der letzten Woche über die Ausfüllung des Berlin-Abkommens der Vier Mächte verliefen nach Angaben aus Bonner Regierungskreisen äußerst zähflüssig.

Krisenherde der Woche

Das bisher blutigste Wochenende Nordirlands forderte sechs Menschenleben. In Belfast erschossen britische Soldaten zwei Frauen, die nach Angaben des Militärs aus einem fahrenden Auto auf Truppen gefeuert hatten.

Kommunalwahlen: Schwere Verluste

Die Kommunal wählen in Baden-Württemberg, deren Endergebnis erst an diesem Wochenende feststehen wird, brachten nach den bisher vorliegenden Auszählungen der FDP schwere Verluste in den Städten.

Frankreich: Salut für KP-Chef

Mit 101 Salutschüssen – sonst Staatsoberhäuptern vorbehalten – wurde der sowjetische KP-Chef Leonid Breschnjew am Montag auf dem Flughafen Orly/Paris begrüßt Der offizielle Staatsbesuch, Breschnjews erste Reise in das westliche Ausland seit 1964, wird sechs Tage dauern.

Spanien: Heißer Herbst

Spanien erlebt einen heißen Herbst. Nach einwöchigem Streik und totaler Aussperrung nahm zu Wochenbeginn etwa 3000 der fast 15 000 Mann starken Belegschaft der SEAT-Automobilwerke in Barcelona die Arbeit wieder auf.

Dokumente der Zeit

Aus dem westlichen Lager: Belgien (N), Kanada (N), Chile (R), Dänemark (N), Frankreich (N), Island (N), Italien (N), Mexiko (R), Niederlande (N), Norwegen (N), Peru (R), Portugal (N), Türkei (N), Großbritannien (N, S).

Vereinte Nationen nehmen Peking auf

Die Vereinten Nationen haben, entgegen dem Wunsch der Vereinigten Staaten, die Volksrepublik China aufgenommen und Nationalchina (Taiwan) ausgeschlossen.

FDP: Weiter mit der SPD

Die FDP will auch nach den Wahlen 1973 die Bonner Koalition mit der SPD fortsetzen. "Der gegenwärtige Zustand der CDU/CSU lädt – vorsichtig gesagt – zur Zusammenarbeit nicht ein", erklärte Bundesaußenminister und Parteivorsitzender Scheel am Montag zur Eröffnung des 22.

War Gott in Treblinka?

Mir war in den langen Gesprächen mit Franz Stangl immer noch nicht ganz klar geworden, was ein Mensch, wie er in solch einer Situation empfand, was er, in all dem Grauen, das ihn umgab, Tag um Tag, dächte, fühlte.

Pläne und Pflichtlektüre

Wir hatten den Wahlruf gelesen und meinen, die beste Wahlvorbereitung ist ein erfüllter Plan, ist für uns die zuverlässige Energieproduktion", verkündete Georg Mühlbach aus dem Kraftwerk Hagenwerder über Radio DDR.

Barbarei

Es war ein Akt amtlicher Barbarei. Am Tisch saß der Sozialdemokrat und rechtsgelehrte Polizeipräsident der Freien und Hansestadt Hamburg.

Wolf gang Ebert:: Reiselust

Erst fiel mir auf, daß meine altverheirateten Freunde anscheinend ständig auf der Flucht sind und oft ganz sinnlose Reisen unternehmen, nur um von zu Hause wegzukommen – neulich traf ich einen, der sonst nie ein Buch in die Hand nimmt, auf der Frankfurter Buchmesse.

Mutmaßungen über Margrit

Sie sagte nur "nein". So einsilbig beschied die 23jährige Psychologie-Studentin Margrit Schiller, zur Zeit dunkelhaarig, 1,83 Meter groß, den Hamburger CDU-Bundestagsabgeordneten Dietrich Rollmann auf die Fragen, ob sie den Besuch ihrer Mutter wünsche und ob er ihr bei der Suche nach einem Anwalt behilflich sein könne.

LOKAL ZEIT: Unter der Erd’n

Lange haben sie bloß in die Röhre geschaut, die Münchner. Von oben in die abgrundtiefen Ausschachtungen und durch Löcher in den Bauzäunen hinunter in die Baugruben.

Ein Merk-Mal

Am Augarten weg in der 45 000-Einwohner-Stadt Kempten im Allgäu stehen seit kurzem drei Hochhäuser im Stil zeitgenössischer Einfachbauweise.

Löwenthal hißte die weiße Fahne

Löwenthal blieb es vorbehalten, aus dem mageren Material eine trübe Brühe zu kochen", so schrieb die ZEIT Anfang dieses Jahres zur Kontroverse Löwenthal–Nannen.

Taktik statt Politik

Ministerpräsident Albert Osswald kommt bis heute nicht auf den Gedanken, daß es vielleicht auch mit an ihm liegen könnte, wenn die SPD-Sterne im Bundesland "Hessen vorn" nicht mehr so strahlend leuchten wie in vergangenen Zeiten.

Praktiken der Reaktion

Am Abend, als dem Bundeskanzler der Friedens-Nobelpreis zuerkannt worden war (der Betrachter am Bildschirm fühlte sich, was die Christlichen Demokraten betraf, an die Präsidentenwahl anno 69 erinnert: Betretenheit, die sich in mangelnder Motorik ausdrückte – damals versteinerte Gesichter, keine Hand wollte sich rühren, jetzt stumme Verwirrung, können wir sitzenbleiben, wenn alle anderen stehen, und schon standen ein paar, und die anderen stellten sich tot: In einigen Sekunden ist alles vorbei, dann atmen wir weiter) .

Fernsehen: Ein Mörder, mehr nicht

Der sogenannte "Neue Deutsche Heimatfilm" versteht sich als eine politische Korrektur jenes beliebten und noch heute im Ausland mit deutschem Film identifizierten Genres der fünfziger Jahre.

FILMTIPS

Im Fernshen: "The Big Sky" (USA 1952), von Howard Hawks (ARD am 2. November), ist wahrscheinlich die vollständigste Fassung, die sich noch von dem einst 140-Minuten-Opus wiederherstellen ließ.

Zum Thema: Unsere neuen Hochschulen

Als die Studenten noch mit Steinen warfen, konnte so leicht nichts mit der Brisanz des Hochschulthemas konkurrieren. Heute sitzen die Demonstranten wieder in den Hörsälen oder sind im Beruf, das Interesse der Öffentlichkeit ist erschöpft und hat sich anderen Themen zugewandt.

Unsere neuen Hochschulen: Die Reform steckt im Beton

Die Protestbewegung an den Hochschulen war erst eine leichte Brise, als 1965 die Universität in Bochum eröffnet wurde. Den Namen erhielt sie von der Ruhr – einem Fluß, einer Industrielandschaft, dem größten Arbeiterrevier Europas.

Kunstkalender

Juan Genovés, 1930 in Valencia geboren, paßt sehr gut ins engagierte Programm des Frankfurter Kunstvereins. Unmißverständlich hat er Sinn und Zweck seiner Arbeit formuliert: "Soziologisch-politische Zusammenhänge so klar wie möglich mit Malerei aufzuzeigen.

Apologie des Altruismus

In der großen Diskussion über den Paragraphen 218 haben die Gegner der Abtreibung die edleren Argumente. Sie handeln uneigennützig, da sie selber nachweislich nicht abgetrieben nicht den sind, mindestens nicht rechtzeitig und nicht erfolgreich, und nicht mehr abgetrieben werden können.

+ Weitere Artikel anzeigen