Den vorgesehenen Termin für die Schließung der Hausbrandzeche Katharina in Essen-Kray hält Betriebsratsvorsitzender Koblitz schlicht für "Unsinn". Nach dem Willen der Ruhrkohle AG, die jetzt die wenig beneidenswerte Aufgabe hat, die Kohleförderung im Rahmen des Anpassungsplans dem gesunkenen Bedarf anzupassen und dabei bis 1975 insgesamt 25 400 Bergleute freizusetzen, will die Förderung zum 31. März nächsten Jahres einstellen. Die endgültige Entscheidung über die geplante Zechenschließung fällt Ende dieser Woche.

"Das ist doch Quatsch, die Förderung von Hausbrand, im Frühjahr aufzugeben, wenn doch bis zum Herbst von der Halde Briketts und Eierkohlen gepreßt werden, und dann im Winter wieder Hausbrandkohlen fehlen", wehrt sich der Betriebsratsvorsitzende. Doch. Friedrich Carl Erasmus, für die Produktion verantwortliches Vorstandsmitglied der Ruhrkohle AG, führt für den Beschluß, den er zugleich als Aufsichtsratsvorsitzender der Bergbau AG Essen zu vertreten hat, rein wirtschaftliche Gründe an: "Genauso wie es sinnlos ist, eine Zeche zuzumachen, wenn die Schließung teurer ist als die Fortführung des Betriebes, ist es sinnlos, eine beschlossene Schließung herauszuschieben, auch wenn es für die Belegschaft schmerzlich sein mag."

Hinter dem Widerstand von Rudolf Koblitz stehen aber auch andere Motive. Er möchte für die Belegschaft der Katharina mehr herausholen, als die Sozialpläne bei den Schließungen der Zechen Germania, Bismarck oder Graf Moltke hergaben. Aber am 4. Oktober – mitten, in seinen Verhandlungen mit dem Vorstand der Ruhrkohle AG – fielen ihm die eigenen Kollegen in den Rücken. Auf der ebenfalls zur Schließung vorgesehenen Zeche Emscher-Lippe in Datteln unterschrieben die Betriebsräte einen Sozialplan zu den alten Bedingungen. "Der Dolchstoß kam ausgerechnet von den Leuten, die uns erst richtig spitz gemacht hatten", erzählt Koblitz, "denn die wollten 5000 Mark für jeden Mann Erlangen, an Stelle der-4000 Mark, die wir haben wollten." Aber nach der Unterschrift in Datteln war "der Ofen aus", von der Ruhrkohle, war nur noch ein hartes Nein zu hören.

Erasmus fürchtet nicht zu Unrecht eine ungleiche Behandlung der Bergleute, denn mit einer Abweichung vom grundlegenden Sozialplan wäre ein Präzedenzfall geschaffen, der die Kosten des Anpassungsplans völlig unüberschaubar: machen würde. Deshalb lehnte er auch die Forderung ab, den sogenannten Abrahmungseffekt – den Gewinn beim rücksichtslosen Ausrauben einer zu schließenden Zeche, in die kein Pfennig mehr investiert wird – an die Belegschaft zu verteilen. Andere Zechen wie zum Beispiel Germania, haben keinen derartigen Schlußgewinn, so daß deren Bergleute benachteiligt würden.

Doch Rudolf Koblitz gibt die Schlacht um Katharina noch nicht verloren. Er hat zwar am vergangenen Freitag einen Sozialplan, unterschrieben, der seine Hoffnungen weitem nicht erfüllt, der aber wenigstens einige Verbesserungen mit sich bringt. Sie sind allerdings fast durchweg örtlich bedingt, so daß sie nicht als Präzedenzfall für künftige Sozialpläne, gelten können... Den Betroffenen, den Kumpeln von Katharina, war das Hin und Her ohnehin nicht geheuer. "Für uns kommt doch nichts dabei heraus", konnte man am Werktor der früheren Mannesmann-Zeche hören. Und dem ehemaligen Hauer Rudolf Koblitz wird sein Eintreten für die Belegschaft wenig gedankt.

Der Maschinenschlosser Johannes, der unter Tage für die Elektromotoren an Fördereinrichtungen, Panzerbändern und Aufzügen verantwortlich ist, hat resigniert: "Der Koblitz zieht doch nur eine Schau ab. Der ist zugleich Ratsherr von Essen, Aufsichtsrat bei der Ruhrkohle, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates bei Bergbau Essen und Betriebsratsvorsitzender von Katharina. Der hat seinen Sack, doch voll."

Johannes ist seit 23 Jahren Bergmann und hat "vom Pütt die Schnauze voll". Am liebsten möchte er sich über Tag einen neuen Job suchen. "Aber die haben mich ja fest. Ich habe eine Werkswohnung, 82,5 Quadratmeter für 132,40 Mark. Und für jede gefahrene Schicht kriege ich zwei Mark Wohnungsgeld, so daß ich nicht mehr als 80 Mark bezahle. Ich mache zwar woanders glatt 200 bis 300 Mark mehr als im Pütt, aber dann müßte ich aus der Wohnung, raus. Und das rechnet sich, dann nicht, mehr."