"Der dreizehnte Sommer", Roman von Steven Turner. Ein Dreizehnjähriger – hochbegabt, gutherzig, fleißig, fromm – trampt von der Schule heim zu seinen Eltern, um ein Mahnschreiben zu überbringen. Der kleine Mark lernt unterwegs und zu Hause im Schnellverfahren die wichtigsten Lebenstatsachen und Menschheitsprobleme kennen: Tod und Liebe, Rassenhaß, Glaubenszweifel und Lohnkämpfe. Das Kind – es ist im Jahre 1936 just so alt wie damals sein Autor Steven Turner – findet sich fabelhaft zurecht. Mark schlägt mannhaft zu, wenn’s mal nicht anders geht – zum Beispiel wenn vier Männer über seinen Vater herfallen. Er ekelt sich vor unanständigen Witzen, wird aber im Wald mit einer Vierzehnjährigen glücklich und verurteilt auch die ehebrecherischen Mütter nicht. Die Welt hat ihre dunklen, ihre unheimlichen Seiten, aber niemand muß deswegen aufgeben, und auch der Sex, da er nun mal in Mode ist, läßt sich ertragen, sogar überraschend gut. Ob Rowohlt auch in diesem Herbst mit seiner Seelendroge durchdringt? (Aus dem Englischen von Kai Molvig; Rowohlt Verlag, Reinbek; 220 Seiten, 19,80 DM) Christa Rotzoll

"Der Überläufer", Roman von Charles Collingwood. Seitdem das Sachbuch immer mehr an Terrain gewinnt und die Verlage die "schöne Literatur" nur noch "mitzuschleppen haben" (so der Verleger dieses Buches), versuchen sie’s neuerdings, wie weiland Pastor Mendel, mit allerlei Kreuzungsversuchen. In diesem Fall lautet die Formel: Krimi plus Sachbuch plus Leinwand (zu einem gepfefferten Preis). Über Krimi-Inhalte ziemt es sich nicht zu sprechen; daher die Versicherung: das Buch ist von Anfang bis Ende spannend, voller unerwarteter Wendungen und am Schluß – wie sich’s gehört – mit einer großen Überraschung ausgestattet. Niemand handelt sinnwidrig, Frauen verderben nicht das Spiel, kein deus ex machina rettet den Helden. Mit Krimi-Maßstäben gemessen: erste Klasse. Zugleich – der Roman spielt in Vietnam nach der Wahl Nixons und vor dem Sturz Sihanouks – erfährt der Leser, ohne mit Tabellen und Statistiken überfordert zu werden, vieles über die Geschichte Vietnams und über die gegenwärtige Lage in diesem Land, sowohl im Norden wie auch im Süden. Für ein richtiges Sachbuch wäre das freilich sehr wenig; es wird aber um so plastischer erzählt, ja, es könnte einem Unkundigen als beste Einleitung in dieses Fachgebiet empfohlen werden. (Aus dem Amerikanischen von Irene Danehl; S. Fischer Verlag, Frankfurt; 280 S., 22,– DM) Mario Szenessy