Von Rolf Düdder

Frank Werkmeister, 30 Jahre alt, Doktorand bei Professor Abendroth in Marburg, trägt das bunte Abzeichen einer Jugendbewegung am schmalen Revers. Es ist kein modischer Zierat, sondern politische Standortbestimmung. "Dem herrschenden System dürfen wir nicht erlauben, das Medium Schallplatte allein zu beherrschen", sagt er.

Werkmeister ist einer der Gründer des Verlages "Pläne" in Dortmund. Zum Stammkapital in Höhe von 20 000 Mark steuerte er 12 000 Mark bei. Die übrigen 8000 Mark hält Verlags-Geschäftsführerin Christel Priemer, 28 Jahre alt, Ehefrau des Bundesvorsitzenden der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend.

Die Verlagstradition führt Frank Werkmeister auf die von antifaschistischen Kräften der bündischen Jugend in den zwanziger Jahren gegründete Zeitschrift "Pläne" – zu ihren Mitarbeitern gehörte der von den Nationalsozialisten wegen seiner Tätigkeit in der "Roten Kapelle" hingerichtete Harro Schulze-Boysen – zurück. Eigentlich aber ist der Verlag ein Kind der Ostermarschbewegung, die Werkmeister in Westdeutschland in Gang gebracht hatte.

Damals sang Dieter Süverkrüp, Grafiker aus Düsseldorf und inzwischen wohlrenommierter linker Polit-Barde, die von Gerd Semmer übersetzten Lieder der Französischen Revolution. Werkmeister erinnert sich: "Arno Klönne, jetzt Soziologie-Professor in Göttingen, und ich hörten ihn bei einem Konzert in Münster. Wir sagten uns: ‚Das sollte man auf einer Platte herausbringen.‘" Mit geliehenen 2000 Mark entstand 1961 die erste Produktion: "Ça ira" – eine Platte, die es auf 18 500 Auflage brachte. "Ça ira" Nummer zwei erschien in bisher 11 500 Exemplaren. Süverkrüp-Ehefrau Ingrid karrte die Platten auf einem Handwagen zum Postvertrieb. 1966 konnten die 2000 Mark zurückgezahlt werden.

Die linken Schallplattenmacher – Motto: "Rot sehen kann jeder. Hören’ Sie mal rot!" – veröffentlichten das neue Liedgut der Ostermarschierer. Radio Bremen gab bei dem Kabarettisten Hanns-Dieter Hüsch einige Atombomben-Songs in Auftrag, weigerte sich dann aber, die Lieder zu senden. "Pläne" veröffentlichte sie als "Carmina Urana". – "Heute", sagt Christel Priemer, "versteht man nicht mehr die Aufregung darüber. Aber damals herrschte der Kalte Krieg. Inzwischen werden unsere Produktionen von fast allen deutschen Rundfunkanstalten ausführlich vorgestellt."

Es sind zumeist bissige, respektlose Gesänge zur Zeitgeschichte. Werkmeister versteht die Verlagsarbeit – "Pläne" begeht gerade sein zehnjähriges Bestehen – "vom Kampf gegen die atomare Bewaffnung über den Widerstand gegen die Notstandsgesetze bis zum Eintreten für Rote-Punkt-Aktionen und Anerkennung der DDR". Wenn irgendwo auf der Welt vermeintliches Unrecht geschieht, erschallt der Protest von "Pläne"-Platten. Auf den Jubiläumsplakaten reckt sich die rote Faust.