Von Horst-Wolfgang Bremke

Das ist zu zynisch", meint der Wirtschaftssenator und Bürgermeister der Stadt Hamburg, Helmuth Kern, "wenngleich nicht ganz unwahr." Unter hanseatischen Reedern ist es Thema an Stammtischen und in Kontoren, was die griechische Schiffahrtszeitung "Naftiliaki" angesichts von 300 aufliegenden Frachtschiffen in Athens Hafen Piräus formulierte: "Was die Schiffahrtsmärkte gegenwärtig brauchen, ist eine politische Krise, die den Charterern einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen und sie zum Wettlauf um jede verfügbare Tonne Schiffsraum veranlassen würde."

Dieser Wunsch basiert auf Erfahrung: Koreakrise, Suezkrise und Vietnamkrieg trieben in schöner Regelmäßigkeit die Frachtraten an den Weltmärkten aus der Baisse in die Höhe. Die Schließung des Suezkanals schließlich brachte einen nie geahnten Boom und den Reedern mit freier Tank- und Massengut-Tonnage Millionen.

Doch nach dreieinhalb Jahren fast ungebrochenen Frachtbooms fährt die Weltschiffahrt gegenwärtig in ihr tiefstes Wellental. In vielen Fahrtbereichen sind die Raten auf den niedrigsten Stand seit 14 Jahren gesunken. Und selbst zu niedrigsten Sätzen sind alte und langsame Frachter nicht mehr unterzubringen. Die Fahrt wurde so wenig lohnend, daß mehr und mehr Reeder ihre Schiffe einfach in den Häfen aufliegen lassen.

Die Ursachen für den plötzlichen Umschlag: Einmal fielen die Ernten vieler Entwicklungsländer besser aus als erwartet, so daß sie keine Zusatzlieferungen brauchten. Zum andern erhöhte sich wegen der weltweit sich abschwächenden Konjunktur der Bedarf der wichtigsten Industrieländer an Rohstoffen nicht oder nur noch wenig.

Entscheidend war jedoch Japan, das 1970 rund 40 Prozent der Chartertonnage aufnahm. Japans Stahlindustrie braucht Kohle und Erz aus Übersee und plante in den letzten Jahren jährliche Zuwachsraten von elf Prozent ein. Dieses Verschiffungsvolumen und die Tatsache, daß amerikanische Tonnage weitgehend vom Vietnamkrieg in Anspruch genommen wurde, ließ die Japaner "chartern, was schwimmen konnte" (Kern). Die Trampreeder ihrerseits, die dort Fracht aufnehmen, wo sie sie bekommen können, witterten Morgenluft. Sie boten nicht nur alles an, was sie hatten, sondern gaben auch neuen Schiffsraum in Auftrag oder kauften ausgediente Alttonnage.