Oskar Maier sieht schwarz. Der Finanzchef des Bayerischen Rundfunks, der maßgeblich am finanziellen Teil des "Jahrbuch 71" der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) mitarbeitete, bangt um die Finanzen der Sendeanstalten. So haben bestimmte "Mehraufwendungen" der neun Rundfunkanstalten der Bundesrepublik bereits die Hälfte der nach der Gebührenerhöhung vom 1. Januar 1970 zusätzlich in die Kassen geströmten 234 Millionen Mark wieder verschlungen.

"Aufgezehrt" (Maier) wurde dieser Teil der Mehreinnahmen vor allem durch

  • Intensivierung der Regionalprogramme der Fernsehanstalten (Zusatzkosten 1970: 11,9 Millionen Mark)
  • Einführung und Verbesserung der Bildungsprogramme (Zusatzkosten 1970: 7,2 Millionen Mark)
  • Erweiterung der III. Fernsehprogramme (Zusatzkosten 1970-, 19,5 Millionen Mark)
  • Investitionen für technische Einrichtungen (Aufwendungen 1970, nachdem in den vorherigen Jahren fällige Investitionen zurückgestellt worden waren: 44 Millionen Mark)
  • Erhöhungen der Leistungen im sogenannten Finanzausgleich der sechs "gebenden" an die drei "nehmenden" Anstalten (gleicht sich im Gesamtergebnis aus) sowie
  • Erhöhung des Zuschusses an den Deutschlandfunk von 15 auf 18 Millionen Mark.

Die meisten dieser Kosten waren jedoch vorherzusehen. Waren sie doch ein Anlaß zur jahrelangen Forderung der öffentlich-rechtlichen Anstalten, die Hörfunk- und Fernsehgebühren zu erhöhen.

Gleichzeitig mit ihrem Plazet zur Gebührenheraufsetzung hatten die meisten Länderparlamente jedoch im vergangenen Jahr an "ihre" Rundfunkanstalten appelliert, mehr als bisher zu rationalisieren.

Prompt wurden denn auch die Fernsehprogramme während der Sommerzeit mit Wiederholungen gespickt – zweifellos ein hervorragender Rationalisierungseffekt, keinesfalls jedoch eine Programmbereicherung. Wiederholungen sind die billigsten Sendungen überhaupt: Lediglich Lizenzen, Teilhonorare und sonstige Rechte verursachen Kosten. Reisen, Dekorationen, Technik – sonst Verteuerungfaktoren Nummer eins – entfallen.

Die Neuanfertigung eines Fernsehspiels kostet durchweg etwa zwischen 400 000 und einer Million Mark. Dabei sind die Honorare der Künstler relativ gering: Zwischen dem ZDF und den ARD-Anstalten gibt es ein ungeschriebenes Übereinkommen, daß Superhonorare – etwa nach Filmstar-Art – nicht gezahlt werden. Wenn zum Beispiel Inge Meysel dreieinhalb Wochen lang für eine "Unverbesserlichen"-Folge unterwegs ist, kassiert sie nicht mehr als etwa 14 000 Mark. Höchstes Spitzenhonorar, das nur Leute wie Anneliese Rothenberger oder Quizmaster Kulenkampff gelegentlich verbuchen können: etwa 30 000 Mark für eine Sendung.