Wer über sogenannte Abschreibungsobjekte versucht, Steuern zu sparen (oder besser gesagt: Steuerzahlungen hinauszuschieben), ist unweigerlich gezwungen, ein unternehmerisches Risiko einzugehen. Der Gesetzgeber schreibt geradezu vor, daß dieses Risiko nicht durch irgendwelche "Garantien" ausgeschlossen werden darf. Daß "steuersparende" Kommanditisten tatsächlich auch Risiken tragen, haben schon viele zu spüren bekommen. Nicht nur bei der Bedarfsverkehrsgesellschaft Paninternational, sondern auch in der Schiffahrt und in Berlin.

Berlin bietet indessen nicht nur Kommanditisten Möglichkeiten, an der Steuerschraube zu drehen. Wer das unternehmerische Risiko scheut und mit niedrigeren Steuerersparnissen zufrieden ist, findet in den Paragraphen 16 und 17 des Berlinförderungsgesetzes eine Chance. Diese Chance hat den großen Vorteil, berechenbar zu sein.

Zunächst zur Sache: Mit Hilfe des erwähnten Paragraphen 16 werden Berliner Unternehmen der Industrie, des Handwerks und des Handels Darlehen gewährt. Der Darlehensgeber gibt sein Geld allerdings nicht direkt an irgendwelche Berliner Firmen. Darlehensempfänger sind vielmehr die Deutsche Industriebank, Berlin, oder die Berliner Industriebank AG. Beide Institute garantieren für die Sicherheit und übernehmen den Kapitaldienst dieser Darlehen.

Bei Darlehen nach dem Paragraphen 17 muß die Hingabe an das Berliner Pfandbrief-Amt oder an die Wohnungsbau-Kreditanstalt, Berlin, erfolgen. Die Verzinsung beträgt zur Zeit 7 Prozent. Der Steuervorteil beläuft sich auf einmalig 20 Prozent des Darlehensbetrages. Nach drei Freijahren werden regelmäßige Rückzahlungen unter Einschluß der durch die Tilgung ersparten Zinsen bis zur Endtilgung nach 25 bis 26 Jahren geleistet.

Der Paragraph 17 nur zu Ihrer Aufklärung meine verehrten Leser. Wegen der langen Laufzeit’ der Darlehen erscheinen sie mir weniger interessant – besonders im Hinblick auf die inflationäre Entwicklung in der Bundesrepublik.

Deshalb wenden wir uns lieber dem Paragraphen 16 zu. Gewährt ein unbeschränkt Steuerpflichtiger einer der beiden genannten Banken ein §-16-Darlehen, so erzielt er im Jahr der Darlehensgewährung eine Steuerersparnis von 12 Prozent des angelegten Geldbetrages. Er kann die 12 Prozent des Darlehensbetrages bei der Einkommen- bzw. Körperschaftsteuererklärung für den Veranlagungszeitraum, in dem die Darlehensgewährung erfolgt ist, unbeschadet aller geltend gemachten Abschreibungen und Sonderausgaben unmittelbar von der errechneten Steuerschuld abziehen. Die 12 Prozent sind eben eine echte Steuerersparnis, sie kürzen direkt die Steuerschuld, haben also mit Sonderausgaben nichts zu tun.

Lohnsteuerpflichtige können in den gleichen Steuervorteil kommen, wenn sie sich zur Einkommensteuer veranlagen lassen. Da verheiratete Lohnsteuerpflichtige mit einem lohnsteuerpflichtigen Jahreseinkommen von über 24 000 Mark. ohnehin verpflichtet sind, eine Einkommensteuererklärung abzugeben und die Berlin-Darlehen eigentlich erst von dieser Grenze an interessant werden, dürfte sich das Problem der Veranlagung zur Einkommensteuer wegen der Berlin-Darlehen nur in seltenen Fällen stellen.