Von Helmut Zimmermann

Spaniens für den vergangenen Sonntag gleich doppelt programmierter Triumph wjrde schließlich doch nur ein halber. Zwar jubelten im feudalen Real-Club de Tenis in der Zwei-Millionen-Stadt Barcelona die leidenschaftlichen Fans den Linkshänder Manuel Orantes zum Sieg im "Open 71" gegen den Amerikaner Bob Lutz. Doch einige hundert Meter weiter westlich schafften es weder elf bis zum Umfallen kämpfende spanische Hockeyspieler noch die fast beängstigende Kulisse von etwa 8000 auf einer Clubanlage zusammengepferchten "Aficionados". Olympiasieger. Pakistan behielt nach glanzlosen 70 Minuten im Endspiel um die erste Weltmeisterschaft der Hockeygeschichte verdient mit 1:0 (1:0) die Oberhand. Hinter den beiden Finalisten endeten Indien, der Außenseiter Kenia sowie die zuvor hocheingeschätzten Deutschland und Niederlande auf den Plätzen drei bis sechs. Den siebten bis zehnten Rang belegten Frankreich, Australien, Japan und Argentinien.

Die seinerzeit um acht Monate verschobene und vom pakistanischen Lahore auf die Iberische Halbinsel verlegte WM-Premiere wird im Gedächtnis vieler noch lange Zeit als das Turnier der geradezu unglaublichen, taktischen Fehler haftenbleiben. Dies gilt vor allem für die Favoriten Indien, Deutschland, und die Niederlande, die sich sämtlich durch eigene Leichtfertigkeit um bessere Plazierungen brachten.

So wird sich Balbir Singh, der Trainer der indischen Mannschaft (dreimaliger Goldmedaillengewinner), sicherlich bald dem Vorwurf ausgesetzt sehen, gedankenlos die völlig überflüssige Konfrontation mit dem "Angstgegner" Pakistan gesucht zu haben. Denn als bereits feststehender Semifinalist hätte man den Grünhemden durch eine Niederlage gegen Deutschland leicht aus dem Wege gehen können. Doch man spielte – zudem kräftezehrend – voll auf Sieg und gewann auch glücklich mit 1:0, um dann gegen den "Erzfeind" mit 1:2 aus dem Rennen geworfen zu werden.

Die Deutschen schließlich wollten sich nach scheinbar glanzvollen Siegen gegen Argentinien (5:1) und Frankreich (4:0) den Vorschlußrundengegner in einiger Selbstüberschätzung offenbar, aussuchen. Freilich ohne sich bis dahin einen Platz unter den "letzten Vier" bereits gesichert zu haben. Anstatt jedoch genau dies zunächst einmal durch ein mit strikter Defensivtaktik gewiß unschwer zu erringendes Remis gegen Kenia zu tun, setzte man bedingungslos auf die Karte Gruppensieg. Ein Unterfangen, das mit 0:3 geradezu jämmerlich scheiterte und das nach dem anschließenden 0:1 gegen Indien ein erneutes Aufeinandertreffen mit den Afrikanern im Entscheidungsspiel um den zweiten Gruppenplatz zur Folge hatte. Doch auch hier unterlag man trotz einer 1:0-Führung, die freilich keinerlei Ruhe in die ungewohnt nervös wirkende Elf zu bringen vermochte, mit 1:2. Die beiden 1:0-Siege gegen Australien und die Niederlande, die schließlich noch den fünften Rang in der Endabrechnung brachten, waren allenfalls noch Trostpflaster.

Denn obwohl nur 21 der 67 Treffer aus direkt verwandelten Ecken resultierten, wurde auch der World-Cup nicht zuletzt durch die Spezialisten entschieden. So stellte Pakistan mit dem bulligen Tanvir Dar, der achtmal ins Schwarze traf, den Torschützenkönig, zwei weitere der insgesamt 14 Tore erzielten seine Verteidigerkollegen Akhtar-ul-Islam und Munawaz-uz-Zaman per Strafecke. Erst nach dem Spanier Juan Amat (4) und dem Kenianer Avtar Singh Sohal (4) folgte der Hamburger Maier mit drei direkt verwandelten Ecken. Was bei nicht weniger als 38 Versuchen einem Auswertungsverhältnis 1:12 entspricht.