Wenn es bei den von der Bundesregierung in ihrer Steuerreform vorgesehenen "Eckwerten" bleibt und dazu noch eine nicht abzugsfähige Vermögensbildungsabgabe von zehn Prozent der körperschaftssteuerpflichtigen Gewinne eingeführt würde, so erreicht nach einer Rechnung des Bundesverbandes deutscher Banken die Gesamtbelastung des Gewinns 90 Prozent. Man kann versuchen, diese Rechnung – weil unbequem – zunächst einmal als "Interessentengeschwätz" beiseite zu schieben. Damit ist das Problem jedoch nicht vom Tisch. Wer die vorgelegte Rechnung für tendenziös hält, soll sagen, wo ihre Fehler liegen.

Hat der Bankverband aber richtig gerechnet, dürfte es keinen Zweifel geben, daß die Bundesregierung in eine steuerliche Sackgasse rennt. In den zuständigen Ministerien weiß man das auch und tröstet sich damit, daß es bis 1974, wenn die Steuerreform in Kraft treten soll, noch lange hin ist.

Das ist ein gefährlicher Standpunkt. Und das wird man merken, wenn die Unternehmer demnächst wieder zu vermehrten Investitionen aufgefordert werden, um der Konjunktur neuen Schwung zu geben. Die Aussicht auf eine annähernde Totalwegsteuerung späterer Gewinne wird die Investitionsbereitschaft nicht gerade anregen. Außerdem muß es zu Finanzierungsschwierigkeiten kommen. Da eine 90prozentige Gewinnbesteuerung keine Dividendenzahlungen mehr zuläßt, ist von den Aktionären kein Geld mehr zu erhoffen – und Selbstfinanzierung findet ebenfalls kaum noch statt. kw