Die Vereinten Nationen haben, entgegen dem Wunsch der Vereinigten Staaten, die Volksrepublik China aufgenommen und Nationalchina (Taiwan) ausgeschlossen. Am späten Montagabend wurde der albanische Antrag auf "Wiedereinsetzung der Volksrepublik China in all ihre Rechte" und "Ausschluß der Vertreter Tschiang Kai-scheks"mit 76 gegen 35 Stimmen bei 17 Enthaltungen angenommen. Der amerikanische Antrag, den Ausschlußpassus zur wichtigen Frage zu erklären, die nur mit Zweidrittelmehrheit entschieden werden kann, war in einer vorgezogenen Abstimmung mit 55 gegen 59 Stimmen bei 15 Enthaltragen abgelehnt worden.

Der 22jährige Streit um die Vertretung Chinas in den UN konnte so mit einfacher Mehrheit entschieden werden, Noch während der Behandlung der albanischen Resolution verließen die Vertreter. Taiwans – die Vollversammlung. AußenministerTschow Schukai verlas anschließend eine Erklärung, in der es hieß, Nationalchina werde die Weltorganisation verlassen. Seinen ständigen Sitz im Sicherheitsrat wird Peking einnehmen, das sofort vom Präsidenten der Vollversammlung benachrichtigt wurde.

Washingtons UN-Delegierter Bush hatte als erster und letzter der 80. Redner vor einem Ausschluß Taiwans gewarnt und in zahlreichen Gesprächen für eine Doppelmitgliedschaft geworben. Andernfalls werde ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen und das angestrebte Prinzip der Universalität verletzt.

Seit 1950 hatte die Frage der Zulassung jährlich – mit Ausnahme des Jahres der bisher turbulentesten Vollversammlung 1964 – auf der Tagesordnung gestanden. 1950 verwarfen die UN mit 33 gegen 16 Stimmen einen indischen und mit 37 gegen 11 Stimmen einen sowjetischen Antrag, Peking den Sitz Chinas einnehmen zu lassen,

Bis 1960 beschloß die Vollversammlung mit Stimmenverhältnissen, die von 42 zu 7 bis 42 zu 34 reichten, jeweils die Vertagung der Frage. Stets wurde damit der Antrag verworfen, Peking den chinesischen Sitz zu verschaffen. 1970 fand dann der entsprechende albanische Antrag erstmals eine einfache Mehrheit 51 zu 49 Stimmen bei 25 Enthaltungen. Die Versammlung hatte aber zuvor die Entscheidung zur wichtigen Frage erklärt und damit dieHürde der Zweidrittelmehrheit errichtet,

Das Ergebnis des Vorjahres, bewog die USA, ihre Haltung zu andern. Sie erklärten am 2. August, daß sie sich einer Aufnahme Pekingsnicht länger widersetzen, aber gegen den Ausschluß Taiwans stimmen würden. Die Volksrepublik hatte eine Vertretung beider chinesischer Staaten von Anfang an verworfen und erklärt, sie werde ihren Platz erst nach Auszug der "Tschiang Kai-schek-Clique" einnehmen.

Das Abstimmungsergebnis war bis zur letzten Minute offen. Noch am Montagnachmittag hatte sich die amerikanische Delegation optimistisch geäußert und mit einer knappen Mehrheit für ihren Antrag gerechnet.

In den ersten Kommentaren überwogen die zustimmenden Äußerungen. Die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi sprach von einer "gerechten Entscheidung". Die Ostblockvertreter in New York verbanden ihre Genugtuung mit Hinweisen auf die "schwere Niederlage" Washingtons. Kritisch äußerten sich Südkorea, Japan und Neuseeland.