Einem Ausflug in die Vergangenheit, in jene, die von den Völkern schon bewältigt ist, gleicht der Besuch des holländischen Königspaares in der Bundesrepublik. Dillenburg und Oranienstein, die Stammsitze der Nassauer, der Friedenssaal in Münster, wo vor mehr als dreihundert Jahren die Trennung der Niederlande vom alten Deutschen Reich legalisiert wurde, und Herborn, einst das geistige Zentrum der Reformisten – mit Wohlbedacht sucht Königin Juliana diese Stätten auf, Symbole der wechselvollen, verschlungenen Geschichte von Niederländern und Deutschen, die "Brüder in Blüte, Freude und Geiste" wurden.

Die jüngste Vergangenheit wird diesmal ausgeklammert. Ihren Nachwirkungen begegnete Bundespräsident Heinemann noch auf Schritt und Tritt, als er vor zwei Jahren den schweren Gang nach Holland antrat. Er fand überzeugende Worte und Gesten, die versöhnten, Frieden stifteten. Der Gegenbesuch aus dem Hause. Oranien besiegelt nun den Frieden.

Die Völker haben ihn auch ohne Vertrag auf ihre Weise längst geschlossen: als Waffenbrüder im atlantischen Bündnis, als Handelspartner im Gemeinsamen Markt, als Touristen in Tulpenfeldern und Nordseedünen. Zwei einstige Großmächte, die es aufgegeben haben, verlorener Größe nachzutrauern, zwei ehemals verfeindete Nachbarn, die darauf verzichtet haben, vernarbte Wunden immer wieder aufzureißen – sie finden zusammen als Europäer, nun doch "Brüder im Geiste". Kj.