Das ist keine Kunst", sagte der Regierungspräsident von Aachen. "Ich bin erschrocken über das, was in Monschau geschehen ist. So etwas kann man nicht aus staatlichen Mitteln fördern!"

"Aber, lieber Herr Regierungspräsident, sehen Sie doch ein, daß es sich nur um Kunst handeln kann. Um was denn sonst?" erwiderte die Gegenpartei, nämlich der Vorsitzende des allem Modernen aufgeschlossenen "Kunstkreises Monschau", der zugleich Bürgermeister der Stadt ist.

Gegenstand der Auseinandersetzung war das Projekt, nach dem ein Teil des schönen Eifel-Städtchens verpackt wurde. Und zwar nach Plänen des bewährten, sehr beschäftigten internationalen Verpackungskünstlers bulgarischer Herkunft: Christo.

Es scheint, daß der Regierungspräsident den Fauxpas beging, das, was Christo erfunden hatte, als etwas zu bezeichnen, was dem "gesunden Volksempfinden" widerspreche. Hier irrte wohl der Präsident.

Einwohner von Monschau, natürlich nicht alle, halfen beim Ver- und auch beim Auspacken ihrer Stadt mit. Sie machten ein Fest daraus: für sich und die Touristen, die durch das Ereignis angezogen wurden; Gesünder hätte das Volksempfinden gar nicht sein können.

Sie hatten der Realisierung dieses Projektes samt einem stattlichen staatlichen Zuschuß zum Unternehmen ganz zuversichtlich entgegen gesehen. Schon vor Jahresfrist hatten sie unter dem Motto "Umwelt-Akzente" eine teils belobte, teils verfluchte Manifestation organisiert, an der achtunddreißig Künstler beteiligt waren und die gehörig Aufsehen erregt hatte. Dafür hatten sie die finanzielle Hilfe des Staates aus dem sogenannten "Grenzlandfonds" erhalten. Schon der "Werbewirkung wegen" schien den Behörden damals so ein Zuschuß vertretbar. Weil es in diesem, Jahr aber hieß: "Halt! Denn das ist keine Kunst!", ist nach des Regierungspräsidenten Veto mit stattlichem Beitrag nicht mehr zu rechnen. So geht es der Monschauern wie manchen Leuten nach dem Fest: Schulden und die Frage, wie mit Gottes und Christos Hilfe das Loch in der Tasche gestopft werden könne.

In beiden Fällen der Monschauer Demonstrationen handelte es sich um eine Aktivität, die – man nenne sie Kunst oder was auch immer – keine materiellen, greifbaren Spuren hinterläßt. "Ephemere Kunst", auch dieser Begriff ist schon zur Stelle. Ist es so, daß der Staat, der nach Unvergänglichkeit strebt, nichts Vergängliches mitfinanzieren darf, wenn dies unter dem Signum der Kunst auftritt?

Unter den steinernen, bronzenen, unverwüstlichen Denkmälern, die der Staat – jeder Staat der Welt – schon finanziert hat, sind Monumente von solch anerkannter Häßlichkeit, daß man, wenn man sich in ihre Betrachtung versenkt, die Vergänglichkeit von ganzem Herzen lieben lernt.

Und dann, Herr Regierungspräsident, was ist das? Es kracht, es riecht nicht gut, ist nicht billig und wird dennoch oft aus öffentlichen Kassen bezahlt. Die Leute eilen herbei. Sie blicken nach oben, so wie sie in Monschau emporschauten, als die Burg verpackt war. Was ist das also? Ein Feuerwerk, ahhh, schöööön. Und schon vorbei. War es Kunst? Keine Kunst?