In den letzten Wochen ist es mit den deutschen Aktien ziemlich rasch bergab gegangen. Da die Börse keine Einbahnstraße ist, müßte es eigentlich demnächst eine technische Erholung geben. Aber was geschieht danach? Das Publikum widersteht zur Zeit den Aufforderungen einiger Informationsdienste, jetzt mit dem Kauf deutscher Aktien zu beginnen. Diese Dienste erinnern daran, daß sich eine Verbesserung der Liquidität – wie sie jetzt mit der Freigabe von Mindestreserven zu erwarten ist – immer positiv auf die Aktienkurse ausgewirkt hat.

Der Berufshandel war in den letzten Oktoberwochen durch den extrem hohen Zins für sogenanntes Tagesgeld in seinen Dispositionen gehemmt. Aber auch wenn diese Misere nicht bestanden hätte, wäre wohl die Neigung, sich in deutschen Aktien zu engagieren, gering geblieben. Dazu hätte es eines besonderen Anlasses bedurft, die Kurse hätten einen richtigen Sturz vollführen müssen. Dazu ist es bisher nicht gekommen, weil Kreditengagements keine größere Rolle spielen. Aber es gibt sie! Und die Kreditinstitute haben in den letzten Tagen mehrfach geprüft, ob überall noch ausreichend Deckung vorhanden ist.

Es scheint so, als wenn nirgends "blaue Briefe" geschrieben worden sind. Man hat nur vorsichtig gemahnt. Daraufhin sind in bestimmten Papieren (wohl auch in Audi-NSU-Genußscheinen) nicht ganz freiwillige Verkäufe vorgenommen worden. Die Kursfolgen waren indessen nicht gravierend genug, um die Käufer anzulocken. Sie warten, bis tatsächlich "blaue Briefe" abgeschickt werden... K. W.