Nehmen wir einmal an, wir beherrschten solche Gen-Manipulationen, dann wären wir in der Lage, angeborene Krankheiten zu korrigieren und die kommenden Menschen schon während der Entwicklung im Mutterleib gesünder zu machen, als ihre Eltern es je waren. Aber zugleich gäben wir der Gesellschaft die Möglichkeit, diese Genetik auch anders anzuwenden, etwa um in die natürlichen Prozesse des Lebens einzugreifen und menschliche Wesen nach Wunsch zu formen – ohne den Verantwortlichen der Regierungen entsprechende ethische Maximen an die Hand geben zu können.

Armeen vom Fließband?

Ein weiteres Beispiel: Kürzlich gelang es, Zellkerne von ausgereiften Zellen in unbefruchtete Eier einzupflanzen. So läßt sich der Kern einer Mäusezelle herausholen und in ein unbefruchtetes Ei, dessen Zellkern durch Bestrahlung zerstört worden ist, hineinbugsieren. Nach einer solchen Implantation wächst die Eizelle, teilt sich und entwickelt sich schließlich zu einem genauen Abbild des Lebewesens, von dem der Kern genommen worden war.

Eine solche Methode würde die Massenproduktion eines bestimmten Individuentyps ermöglichen, und wenn diese Technik auch beim Menschen funktionieren sollte, dann könnte ein skrupelloser Diktator, bewogen von militärischen Ambitionen, eine Armee einander identischer, nützlicher Typen herstellen lassen. Das ist keine fiktive Idee, keine Utopie, wenngleich die Verwirklichung noch erhebliche Zeit auf sich warten lassen mag.

Sollen wir die Öffentlichkeit über den Fortgang dieser Forschungen in Kenntnis setzen, oder wäre es besser, wenn die Wissenschaftler sie geheimhielten?

Die Steuerung des Gehirns ist nicht minder problematisch. Wenn man Elektroden in das Zwischenhirn einführt, kann man bestimmte Nervenzellen stimulieren und einen Zustand außergewöhnlichen Glücksgefühls hervorrufen, eine "super-sexuelle Befriedigung", wie Time es beschrieben hat. Aber auch andere technische Erfindungen machen es möglich, dem Menschen eine gesteigerte Daseinsfreude zu vermitteln. So fand in Amerika Joe Kamiya vor einiger Zeit heraus, daß sich auch, ohne Elektroden im Gehirn ein Zustand der Euphorie erreichen läßt, wenn man den natürlichen elektrischen Hirnrhythmus mit Hilfe eines Konditionstrainings auf eine bestimmte Frequenz bringt. Wenn diese Möglichkeiten zu einer weltweit angewandten Technik werden, dann können wir uns ohne weiteres die Konsequenzen vorstellen: ein Narrenparadies, in dem die Menschen kritiklos alles akzeptieren, was ihnen widerfährt.

Die jüngere Generation verzeiht uns nicht, daß wir Älteren der Versuchung der Wissenschaft nicht widerstanden haben. Vor einiger Zeit erschien ein Buch, das die Einstellungen der Jugend zur Wissenschaft zusammenfaßt. Der Autor, Theodor Ruszak, zeiht in seinem Werk The Making of a Counter-Culture (Die Entstehung einer Gegenkultur) die Naturwissenschaft der Unmenschlichkeit. Ihr Einfluß mache uns zu Fremden in unserer eigenen Welt und führe dazu, daß wir unsere Existenz nicht mehr zu tolerieren vermögen. Der berühmte Soziologe Emile Dürkheim sagte vor vielen Jahren, daß der Mensch immer versucht habe, die Natur zu meistern, um ein besseres Leben zu ermöglichen. Aber nachdem er dieses Ziel weitgehend erreicht hatte, verlor er das Interesse am Leben selbst.