DIE ZEIT

Auto-mobil

Helmut Schmidt hat mit der Ankündigung einer Mobilmachungsprobe zarte Gemüter verschreckt. Irgendwann nächstes Jahr wird irgendwo in der Bundesrepublik eine Reservebrigade von 3000 Mann eingezogen.

Schock-Therapie

Die Welt, die nach 1945 aufgebaut worden ist, kracht in allen Fugen. In diesem Sommer brach das Weltwährungssystem zusammen, und jetzt hat der amerikanische Senat mit einer kurzen Geste des Unwillens die seit 25 Jahren existierende Auslandshilfe zu Fall gebracht.

Zwang des Gewissens

Es war ein in der britischen Parlamentsgeschichte unerhörter Vorgang, daß der Premierminister die Mehrheit für eine säkulare Entscheidung – den Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft – mit den Stimmen der Opposition und gegen deren Fraktionsdiktat erreichen konnte.

Tausch am Nil?

Nahöstliche Neuigkeiten wußte jüngst Jugoslawiens Staatschef Tito in Washington zu vermelden. Nach seinen Gesprächen mit dem Russen Breschnjew und dem Ägypter Sadat gab er einer staunenden Welt kund: Wenn sich die Israelis vom Suezkanal auf ihre alten Grenzlinien zurückzögen, riefe auch Moskau seine Militärs aus den Nilstellungen ab.

Wie ernst ist die Krise?

Zu Beginn des Rezessionsjahres 1967, wenige Wochen nach seiner Berufung in das Amt des Wirtschaftsministers, besuchte Karl Schiller die Börse in Düsseldorf.

ZEITSPIEGEL

Jugoslawiens Staatspräsident Tito erlebte während seines Amerikabesuchs eine Enttäuschung. Als er sich im Hause des Millionärs Firestone in Kalifornien aufhielt, bekam er plötzlich Lust, sich einen „Western“ anzusehen.

Nummer Eins der Kreml-Troika

Die riesige Citroën-Limousine, in der Leonid Breschnjew während der vergangenen Woche durch Paris gefahren wurde, trug auf dem Nummernschild die Initialen P.

Zaudern in Berlin

Vieles blieb mysteriös an Breschnjews Ost-Berliner Visite. Der Ankunftstermin war nicht, wie sonst üblich, vorher öffentlich angekündigt worden, so daß die Parteizeitung "Neues Deutschland" erst eine Photomontage fabrizieren mußte, um genügend grüßende Berliner am Straßenrand herzeigen zu können.

Zögern in Paris

Pompidous Vorsicht in den Absprachen mit Breschnjew ließ sich am besten aus der Humanité ablesen. Das kommunistische Parteiorgan beklagte, daß Frankreichs Staatspräsident seine Bewegungsfreiheit selbst eingeschränkt habe, weil er die Vorbereitung einer Europäischen Sicherheitskonferenz von der Einigung zwischen Bonn und Ostberlin über den Berlinverkehr abhängig machte.

Balanceakt am Bosporus

Das Straßenbild von Ankara hat sich verändert: An den Kreuzungen des Atatürk-Boulevards sind plötzlich Ampeln in Betrieb; die türkischen Autofahrer, berüchtigt wegen ihres Gorillastils am Volant, sind bemüht, Verkehrsregeln einzuhalten; die Fußgänger benutzen frisch gestrichene Zebrastreifen, wenn sie nicht Gefahr laufen, wollen, von einem der vielen Polizisten mit einer Geldstrafe belegt zu werden.

Aufatmen in Warschau

Am Denkmal für die Untergrundkämpfer spielen die Kinder. Sie sind schon winterlich vermummt, denn über den Platz im ehemaligen Warschauer Getto weht ein kalter Wind.

Bonner Kurier: Edelmann auf Distanz

Freiherr von Kuehlmann-Stumm will nicht mehr länger dem Parteipräsidium der FDP angehören. Er ließ die Fraktion, die ihn als stellvertretenden Vorsitzenden in das Präsidium delegiert hat, jetzt wissen, er werde bei den anstehenden Vorstandswahlen nicht mehr kandidieren.

Schlamperei und Bürokratentrott

Die Suche nach den Sturmgewehren könnte jedem Kabarett zu einer Glanznummer verhelfen. Als das Bundesverteidigungsministerium im letzten Jahr ein neues Kontingent dieser Waffen bestellen wollte, ging es davon aus, daß von den früher beschafften Gewehren 151 761 nicht mehr vorhanden seien; bei einer Überprüfung durch den Bundesrechnungshof hatte niemand zu sagen gewußt, wo sie geblieben sind.

Signal an Peking

Bonn wartet auf eine chinesische Offerte – Zunächst nur Kontakt in UN-Organisationen

Wolfgang Ebert:: Hilfe – Polizei!

Zu den Opfern von Baader/Meinhof gehört jedenfalls Erik. Seit die Polizei die mutmaßlichen Mitglieder dieser mutmaßlichen Vereinigung verfolgt, leidet er an Verfolgungswahn.

Die Mär vom Geheim-Protokoll

Diese Woche berät der Haushaltsausschuß des Bundestages an zwei Tagen im Berliner Reichstag über die Bundeshilfe für West-Berlin.

Hoffnung für Steinstücken

In der West-Berliner Kleingartenkolonie Erlengrund grenzen die Grundstücke direkt an die Havel, aber baden darf dort niemand.

Rache in der Labour Party

Das lustvolle Geschrei, das letzte Woche im Unterhaus erscholl, als die Pro-Europäer von der unerwartet hohen Mehrheit hörten, die sie soeben für den EWG-Beitritt zusammengebracht hatten, ist nüchterner Überlegung gewichen.

Amerikas heiliger Egoismus

Der Ausschluß Nationalchinas aus den Vereinten Nationen hat in Amerika anhaltende Nachbeben ausgelöst. Sie ereignen sich zur gleichen Zeit, da Nixons Politik des Sacro egoismo das Verhältnis Amerikas zu seinen engsten Partnern erschüttert.

Gepflegte Preise

Düsseldorf würde viel fehlen, wenn es Köln nicht gäbe. Bei der Schlacht von Worringen im Jahr 1288 erlosch der Traum eines niederrheinischen Großstaates unter dem Kölner Krummstab.

SOS - ungehört

Im August 1968 signalisierte das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig zum erstenmal SOS nach Bonn. Flugkapitän Max Brandenburg schrieb an den Bundesverkehrsminister: „Die personelle Besetzung des Referates Unfalluntersuchung ist unzureichend.

Hunde-Protest

Dort, wo sich einst Studenten sammelten, um gegen Axel Springer und den Schah zu demonstrieren, trafen sich am Wochenende Hamburgs Hundebesitzer zum kläffenden Protest.

„Roter Punkt“ gegen die Justiz

Für Freddy Braumann, Student der Sinologie, und stud. jur. Hanspeter Knirsch aus Bochum ist der Hosenboden das, was für Wilhelm Teil dereinst die Armbrust war: Waffe im Kampf gegen – wie sie meinen – obrigkeitliche Willkür.

Umwelt-Protest

Ostereier und Palmwedel waren früher jene weltlichen Gaben, die in Kanzel- und Altarnähe auf Segen und Weihwasser hoffen durften.

Viereckige Knödel

Die Kuriositäten sind rar geworden auf der 24. Messe der Erfinder in Nürnberg. Die „IENA 71“, Internationale Ausstellung für Ideen, Erfindungen und Neuheiten, wird immer mehr von ausgeklügelter Technik beherrscht, die die Gags verdrängt.

Kassensturm

Seit Jahren vollzieht sich ein kontinuierlicher Prozeß der Verschiebung bisheriger Gesetzgebungskompetenzen der Länder auf den Bund“, gab Landesminister Diether Posser (SPD) zu Protokoll des Landtags, doch seine Mitglieder, insgesamt 200, hörten kaum zu.

Kontroverse um Klausel

Bahr verhandelte zwei Tage lang mit DDR-Staatssekretär Kohl in Ostberlin. Er wurde von der größten Bonner Delegation seit Aufnahme der Gespräche begleitet.

Dokumente der ZEIT

„Es wurde die große Bedeutung der von der Sowjetunion und der Volksrepublik Polen mit der BRD abgeschlossenen Verträge hervorgehoben, die die Unantastbarkeit der europäischen Grenzen einschließlich der Grenze zwischen der DDR und der BRD sowie die Westgrenze der Volksrepublik Polen bekräftigen.

Rasches Ende der Berlin-Gespräche?

Nach zweieinhalb Tagen Aufenthalt – 24 Stunden später als allgemein vermutet – ist der sowjetische KP-Chef Breschnjew am Montag von Ostberlin nach Moskau abgeflogen.

Krisenherde der Woche

Die indisch-pakistanischen Auseinandersetzungen steuern immer mehr auf einen offenen Krieg zu. Indien gab am Wochenanfang zu, daß reguläre Truppen mehrfach mit Artillerie und Raketen in die Grenzscharmützel eingegriffen haben, weil allein im Oktober in „Hunderten von Fällen“ pakistanische Regierungstruppen die indische Ost- und Westgrenze verletzt hätten.

Angst vor Erdbeben und Flutwellen

Proteste aus Kanada und Alaska, von amerikanischen Wissenschaftlern und Bundesbehörden blieben erfolglos. Präsident Nixon genehmigte den bisher größten amerikanischen Atomwaffen Versuch auf der Aleuteninsel Amchitka.

356 : 244 für EWG-Beitritt

Das englische Unterhaus hat nach einer sechstägigen, erbittert geführten Debatte mit der unerwartet großen Mehrheit von 112 Stimmen dem Beitritt Großbritanniens zu den Europäischen Gemeinschaften zugestimmt.

US-Auslandshilfe: Senat lehnt ab

Mit 41 gegen 27 Stimmen hat der Senat der Vereinigten Staaten am vergangenen Freitag das Auslandshilfeprogramm Präsident Nixons für die nächsten zwei Jahre abgelehnt.

Krach auf der Spielwiese

Kommunale Beamte lieben es, den von ihnen verwalteten Kulturbetrieb als eine Art huldvoll gewährte Selbstdekoration zu betrachten und zu betreiben, als ein erbauliches Gemütsbad in den ewigen Werten zum höheren Ruhm von Gemeinden und Behörden.

Werner Schneyder: Satz für Satz

„Ich werde mein Licht nicht hinter den Scheffel stellen“, sagte einer, stellte es vor die Scheinwerfer und machte es dadurch so unsichtbar, daß später niemand mehr mit Sicherheit sagen konnte, wann es eigentlich erloschen war.

Marx an die Universitäten!

Die Vitalität eines Waldemar Besson bewahrte sie bisher davor, allzu etepetete zu werden. Als ihm die Ängstlichkeit seiner Kollegen vor hochschulpolitischen Auseinandersetzungen auf die Nerven ging, riß er die Verfassungsdebatte an sich.

Robert Neumann:: Offener Brief an Heinrich Böll

„Mein Kandidat heißt Heinrich Böll“ – das war der letzte Satz meines letzten PEN-Berichts in diesem Blatt, im Mai. Wir beide wissen, wie schwierig der Weg von dort bis zu Ihrer Wahl zum Internationalen Präsidenten in Dublin unlängst gewesen ist.

Der Stoff, aus dem die Menschen sind

An dem Tag, an dem England beschloß, der EWG beizutreten (und sich gleichzeitig darauf vorbereitete, seine Uhren wieder auf englische Winterzeit zurückzudrehen), kam Francis Bacon nach Paris, um dort die umfangreichste Ausstellung seiner Werke, die es bisher gegeben hat, im Petit Palais zu eröffnen.

Kunstkalender

Gustav René Hocke hat Clerici hierzulande literarisch bekannt gemacht: In seinem Werk „Die Welt als Labyrinth“ zitiert er ihn als Kronzeugen für den europäischen Manierismus in einer zeitgenössischen und sehr speziellen Variante, die ihn entschieden vom Surrealismus distanziert.

Die Baader-Meinhof-Gruppe spricht

Dem seit längerem der kämpferischen Linken verschriebenen Berliner Verlag Klaus Wagenbach widerfuhr innerhalb weniger Tage gleich dreierlei, und angesichts eines solchen Zusammentreffens wird Wagenbach den Verdacht nicht los, es handle sich da um eine konzertierte Aktion, die seinen Verlag in Überlebensschwierigkeiten bringen soll.

Der unbestechliche Schwierige

Noch vor gut zwei Jahren gab es den letzten Eklat um eine Inszenierung von Fritz Kortner: In der Premiere am umkriselten Hamburger Deutschen Schauspielhaus lachte, buhte und höhnte das Publikum seinen „Clavigo“ in Grund und Boden.

In Sachen Fontane

Was ihn denn an Fontane immer störe, fragte sich Benn in seinem Buch "Ausdruckswelt" (1949), und er antwortet mit der ihm eigenen Unmißverständlichkeit: "Es ist das Pläsierliche.

Unser Seller-Teller Oktober 1971

DDR: „Zum Beispiel Liebe“; Zola, „Die Freude am Leben“; Autorenkollektiv, „Einführung in den dialektischen und historischen Materialismus“; Strasburger, „Lehrbuch der Botanik“; Aurich, „Laboratorium des Lebens“ (laut Literaturbeilage des Neuen Deutschland 10/71].

KRITIK IN KÜRZE

„Mein Haus hat keine Wände – Liebeserklärung an eine ungezähmte Familie“, von Françoise Mallet-Joris. Françoise Mallet-Joris dankt die Erfolge als Romanverfasserin („Bei Sokrates am Montparnasse “) vor allem ihrer Fähigkeit, Personen zu beschreiben, und ihrem Geschick beim Auseinandernehmen individueller Lebenslügen.

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