Der Dezember 1971 stand an den deutschen Börsen im Zeichen der Neuordnung der Währungsparitäten und der kreditpolitischen Erleichterungen der Bundesbank. Trotz düsterer Ertragsaussichten zogen die meisten Aktien an. Dieser Tatsache ist es zu verdanken, daß der Aktienindex das Jahr 1971 mit einem kleinen Plus abschließt.

Unsere Tabelle zeigt, daß es im vergangenen Börsenjahr erhebliche Schwankungen gegeben hat und daß die Entwicklungen der einzelnen Aktien sehr differenziert waren. Als einwandfreie Favoriten erwiesen sich – wie an dieser Stelle mehrfach vorausgesagt worden ist – die Großbankaktien. Die Ertragsstärke der Banken lag weniger im traditionellen Kreditgeschäft. Gut verdient wurde auf dem Effekten- und Devisensektor. Die internationale Währungsspekulation ist nicht zuletzt auch den Kassen der Kreditinstitute zugute gekommen. Gleichzeitig schwanden noch im letzten Monat die Abschreibungssorgen auf die Effektenbestände.

Zu den "Verlierern" des Jahres 1971 zählen die meisten Stahlaktien, mit Ausnahme von Mannesmann, wo der hohe Verarbeitungsgrad die Aktionäre vor roten Zahlen bewahrte. Die Aktien der Großchemie haben den Glanz früherer Jahre verloren, besonders Hoechst, die ein Kursminus von rund 13 Prozent hinnehmen mußten. Die Kurseinbußen wären noch höher gewesen, wenn sich nicht in den letzten Wochen des Jahres die Ansicht durchgesetzt hätte, daß in den Aktien der Großchemie im jetzt begonnenen Börsenjahr Kursexplosionen zu erwarten wären. Sie gelten als "Geheimtip" der kommenden Monate.

Die Aktien der Metallgesellschaft haben ihren Ruf, "goldgerändert" zu sein, eingebüßt. Sie verloren rund ein Viertel ihres Wertes, eine Reaktion auf die verschlechterte Ertragssituation. Daß die VW-Aktien Kursverluste hinnehmen mußten, ist angesichts des ungewöhnlichen Gewinnrückganges selbstverständlich. Auch für 1972 wird die Lage des Volkswagenwerks nicht rosig sein. Daimler-Aktien, die noch einen kleinen Jahresgewinn von 3 Prozent buchen konnten, werden dagegen hoffnungsvoller beurteilt – trotz der Streikverluste. Im Gefolge der Autoaktien marschierten Conti-Gummi, deren Aktionäre nach dem empfindlichen Verlust in 1970 nochmals ein Minus von 4,8 Prozent erdulden mußten. Wegen der für dieses Jahr zu erwartenden Fusion mit Phoenix-Gummi sind bei diesen Papieren größere Kursschwankungen möglich. Über die Konditionen des Zusammenschlusses tappen Börse und Aktionäre noch im dunklen. Bisher ging man davon aus, daß 2 Phoenix-Gummi-Aktien (Kurs 166 Mark) den Wert von 3 Conti-Gummi-Aktien (Kurs 101 Mark) repräsentieren. Neuerdings scheint man auf ein Umtauschverhältnis zuzusteuern, das die Phoenix-Gummi-Aktionäre noch etwas besser stellen wird.

K. W.