Einigkeit demonstrierten die Freien Demokraten auf dem traditionellen Dreikönigstreffen der baden-württembergischen FDP. Nach den Flügelkämpfen und Partei abstritten konservativer Liberaler in den vergangenen Jahren stellte sich die FDP in Stuttgart als geschlossene Partei dar, die zwischen den großen Parteien CDU/CSU und SPD darüber wacht, daß die Bundesrepublik weder eine Provinz von "schwarzen Gartenzwergen" noch von "roten Amtsschimmeln" wird.

Nach der deutlichen Absage an die CDU/CSU im vergangenen Jahr versuchten die Liberalen in diesem Jahr, auch deutlich Konturen gegenüber dem Koalitionspartner SPD zu zeichnen, um so zumindest den Rest der national-liberalen Wähler bei der Stange zu halten und den Abtrünnigen der letzten Jahre zu erleichtern, sich wieder dazuzugesellen. Ihre Kritik entzündete sich an den Beschlüssen des SPD-Parteitages zur Steuerpolitik.

Dies hinderte Generalsekretär Flach in seinem Grundsatzreferat allerdings nicht daran, die Koalition von FDP und SPD auch für die nächsten Jahre als einzig wünschenswertes Regierungsbündnis zu bezeichnen. Eine Koalition mit der CDU, so Flach, komme auch nach 1973 auf Bundesebene nicht in Betracht.

In Schleswig-Holstein und Niedersachsen, wo die FDP bei den vergangenen Landtagswahlen keinen Parlamentssitz erreichte, versuchen sich die Freien Demokraten neu zu formieren. In Bad Bramstedt wurde der Landesvorsitzende Ronneburger mit 191 von 196 abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Von den heftigen Richtungskämpfen des vergangenen Jahres war nichts mehr zu spüren. Die niedersächsische FDP hätte gern Bundesinnenminister Genscher an ihre Spitze gestellt, doch der Minister winkte ab. Landesvorsitzender Groß gibt sich trotzdem optimistisch: Wenn der Zuwachs der Wähler bei den nächsten Wahlen vergleichbar groß sei wie der Mitglied wachs in den letzten Monaten, habe die FDP eine gute Chance.

In ihrem Optimismus wurde die FDP in der vergangenen Woche vom SPD-Bundesgeschäftsführer Wischnewski bestärkt: Er wies auf die Ergebnisse neuerer Umfragen hin, die einen ansteigenden Trend für FDP und SPD zeigen. Wischnewski berichtete auch von einer schnell wachsenden Mitgliederzahl der SPD: 1971 seien 75 000 Personen in die Partei eingetreten, insgesamt zähle die SPD jetzt 850 000 Genossen. Der Geschäftsführer hat freilich auch Sorgen: Bisher konnte kein geeigneter Nachfolger für ihn gefunden werden. Neuer Geheimtip für dieses Amt war zu Beginn der Woche der Vorsitzende des SPD-Bezirks Franken, Bruno Friedrich.