Rodenkirchen

In der Einladung hieß es: "Hier erhalten Sie wirklich fundierte Sachaussagen. Nutzen Sie diese einmalige Gelegenheit." Die Gelegenheit war einmalig.

"Sachaussage". Nr. 1: "Es gibt Leute, die da sagen, die verhängnisvolle Entscheidung war die Ermächtigungsgesetzabstimmung vom März 1933. Da ging es abwärts ... Und es gibt auch heute Leute, und zu denen gehöre ich, die da sagen, der Moskauer Vertrag ist ein neues Ermächtigungsgesetz, das möglicherweise den Russen die Möglichkeit gibt, ganz Berlin und ganz Deutschland – unter welchen Vorwänden auch immer – eines Tages einzubeziehen in ihren Machtbereich."

Der Mann, der hier den Moskauer Vertrag und Hitlers Ermächtigungsgesetz aus dem Jahre 1933 auf eine Stufe stellte, war Wehrmachtsoffizier, Ritterkreuzträger, Vorsitzender der FDP, Minister für Gesamtdeutsche Fragen, war Repräsentant der einschlägig bekannten "IOS-Deutschland GmbH". Heute ist er Bundestagsabgeordneter der CDU. Er heißt Erich Mende und trat als "Experte für Deutschland- und Ostpolitik" auf einer – laut Plakaten – "Großveranstaltung" der CDU in Rodenkirchen bei Köln auf. Rund achtzig Freunde und Gegner erlebten einen neuen. Mende, der seine ständigen Rückschläge noch nicht verwunden hat und deshalb um sich schlägt.

"Sachaussage" Nr. 2: "Wenn es sich um Linksgruppierungen handelt, um kommunistische Tendenz, ist das fortschrittlich. Und Kölner Stadt-Anzeiger und Frankfurter Rundschau, Spiegel und Stern, Panorama und Erstes Fernsehen sagen: Wunderbar, jetzt geht’s endlich einmal mit der Demokratie – mit der Demokratie dieser Prägung – voran. Wenn ich zur SPD übergetreten wäre, wäre ich ein Volksheld .geworden für diese Zeitungen."

"Sachaussage" Nr. 3 galt der FDP: "Ich sehe meine Aufgabe darin, soviel wie möglich ehemalige treue FDP-Wähler davon zu überzeugen, daß diese Partei nicht mehr liberal, sondern marxistisch geworden ist."

In der "Sachaussage" Nr. 4 gab es Prügel für die Alliierten: "Die Berliner sind sehr besorgt, daß sie in eine Entwicklung kommen, an deren Ende sie für das Linsengericht menschlicher Erleichterung das kommunistische Gesamtberlin haben werden."