Seit Jahresbeginn ist die amtliche Geld- und Kreditpolitik um ein Instrument reicher: das Bardepotgesetz. Mit seiner Hilfe kann die Bundesregierung Schulden deutscher Unternehmen an das Ausland ebenso teuer oder sogar teurer machen als Inlandsverpflichtungen. Durch Verordnung soll der Teil der Auslandsschulden bestimmt werden, der bei der Bundesbank zinslos deponiert wird. Nach den Washingtoner Währungsbeschlüssen hieß es, das Gesetz liege nunmehr auf Eis. Doch, wer sich darüber gefreut hat, sieht sich jetzt getäuscht.

Beamte des Wirtschafts- und Finanzministeriums überraschten die Vertreter der Wirtschaft mit der Ankündigung, eine mögliche Bardepot-Verordnung werde nicht nur den Zuwachs der Auslandsverschuldung Bardepot-pflichtig machen, sondern den gesamten Bestand der Schulden gegenüber dem Ausland (Verpflichtungsbestand), der sich für Nichtbanken nach dem 22. Juli und für Banken nach dem 21. Oktober angesammelt habe. Dieser Auffassung, so räsonnierten verschreckte Verbandssprecher, zwinge fortan alle Auslandskreditnehmer, die Kosten für das Bardepot mit einzukalkulieren.

In der Tat war dies ein gewollter Nebeneffekt des Gesetzes. Man war deshalb über die Verblüffung der Verbandsführer überrascht.

Gleichwohl hätten deren Unmutsäußerungen einen ersten Erfolg: Schillers Ministeriale wollen sich die Geltungsdauer ihres Gesetzes noch einmal überlegen.

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