Mit Injektionen des BGC-Tuberkulose-Schutzimpfstoffes haben Ärzte am Medical Center der Duke-Universität in Durham (US-Staat North Carolina) bei einigen Patienten, die an einem äußerst gefährlichen Hautkrebs erkrankt waren, das Wachstum der Krebsgeschwulst zum Stillstand bringen können.

Für die Professoren Hilliard Seigier und William Shingleton ist dieses Ergebnis ihrer vor 32 Monaten begonnenen Studie, das sie Anfang dieser Woche bekanntgaben, eine Bestätigung ihrer Hypothese: Ein Melanom (bösartige Geschwulst aus den Hautzellen, die den dunklen Farbstoff Melanin produzieren) ist unter anderem oft die Folge eines nicht funktionierenden Immunsystems. Diesem Krebs könnte man deshalb unter Umständen mit einer Aktivierung des körpereigenen Abwehrmechanismus wirksam begegnen.

Probanden des medizinischen Experiments waren 22 Patienten, bei denen das Melanom schon so weit fortgeschritten war, daß eine Rettung ausgeschlossen schien. Tests ließen erkennen, daß bei mindestens der Hälfte dieser Schwerkranken das Immunsystem in der Tat nicht intakt war. Um die Körperabwehr zu stimulieren, impften die Wissenschaftler ihre Versuchspatienten mit der BGC-Vakzine. Danach wurden aus dem Blut jedes Patienten mit Hilfe eines IBM-Blutzellenseparators solche Zellen isoliert und gesammelt, die die Produktion von Antikörpern bewirken. Bevor diese Blutkörperchen wieder in den Organismus zurückgeleitet wurden, setzten ihnen die Experimentatoren noch Zellen aus dem Melanom zu, die zuvor einer Röntgenstrahlung ausgesetzt worden waren, um sie teilungsunfähig zu machen. In Tierversuchen hatte sich eine solche Behandlung als stimulierend für das Immunsystem herausgestellt.

Der Erfolg der experimentellen Therapie: Von den 22 Kranken, die nach allen Erfahrungen keine Überlebenschance mehr hatten, starben zehn, bei acht Patienten kam das Krebswachstum zum Stillstand, in den übrigen vier Fällen aber fand sogar eine vollständige Rückbildung des Melanoms statt.

"Die deutliche Besserung des Zustands in achtzehn Prozent der von uns behandelten Fälle ist angesichts der Tatsache, daß sich die Kranken schon im Terminalstadium befanden, ein durchaus ermutigendes Resultat", erklärt Doktor Seigler. Und vorsichtig spekuliert der Chirurg und Immunologe aus Durham: "Möglicherweise läßt sich die Erfolgsrate steigern, wenn man früh genug mit der Therapie beginnt. Zuerst müssen wir freilich herausfinden, in welchen Abständen sie wiederholt werden muß, damit die Aktivität des Immunsystems erhalten bleibt."

Wichtig sei vor allem, so betonen die Mediziner, daß ihr Experiment die vielerorts von tierexperimentellen Befunden gestützte Vermutung weiterhin bestärke, daß Krebs, wie immer er auch entstehen mag, die Abwehrbereitschaft des Körpers schwäche und daß durch dessen Stärkung manche Krebskrankheit bekämpft werden könne.

-ow