Wiesbaden

Also sprach der Herr Minister und gab seinen behördlichen Segen: "Es sei denn" – und es ward. Was Hessens tierliebender Ressortchef für Naturschutz und Umwelt mit einem symbolischen Federstrich besiegelte, wird von einem großen Teil der Wiesbadener Reiterschaft mit süß-saurer Miene quittiert. Jetzt ist doppelt amtlich, was die landeshauptstädtische Magistratsrunde bereits im Sommer ausgeknobelt hatte: Eine Richtlinienverordnung nimmt die häufig allzu sorglosen Jünger der reitsportlichen Zunft an die Kandare. Genauer gesagt: Sie hängt den Pferden eine Nummer um. Als Ausweis gewissermaßen und "Erkennungsmarke".

Nun sind Wiesbadens Reiter an sich friedliche und rücksichtsvolle Leute, die keiner Fliege was zuleide tun. Schwarze Schafe gibt es aber überall. Und so kam, was kommen mußte: Nicht minder friedliche Wanderer, die auf geruhsamen Stadtwaldpfaden ihr Feiertagsglück suchten, fühlten sich plötzlich in höchstem Maße verunsichert durch einige wild daherpreschende Sonntagsreiter. Die Volksseele grollte, und die Verunsicherten schrien Zeter und Mordio: Die Spaziergängerkreise schienen gestört.

Ihr Ruf ward denn auch prompt gehört im Rathaus; das Magistratskollegium nahm sich des hochnotpeinlichen Falles an und entschied: Die Reiter sollten verpflichtet werden, sich durch ein Nummernschild auszuweisen, auf das erstens die Verunsicherung friedlicher Wandervögel ein Ende nähme und zweitens die Identifizierung künftiger Übeltäter leichter werde. Die Nummer, empfahl das Magistratler-Team, sei beiderseits am Kopf des Pferdes zu befestigen.

Solch schnöden Zierat freilich mochten die Sportreiter ihren vierbeinigen Sattelträgern nun doch nicht zumuten. Prompt drehten sie den Spieß um, bestritten die Rechtmäßigkeit des städtischen Erlasses und riefen Hessens Innenminister als Kronzeugen an. Der freilich möchte seinem Kollegen vom anderen Ressort nicht ins Handwerk pfuschen und schob den Schwarzen Peter zuständigkeitshalber ins Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt ab. Und hier erging alsbald der salomonische Spruch: Es sei alles Rechtens und ganz "auf Linie", was der städtische Rat der Weisen seinem Reitervolk zugedacht habe.

Harte Zeiten also für die Ambitionierten. Inzwischen nämlich sind die Forst- und Feldschutzbeamten der weiland weltkurstädtischen Metropole eingeschworen worden auf den pferdesportlichen Numers clausus: Jeden unnachsichtig anzuzeigen, der nach dem 20. Januar "oben ohne" reitet. Letztlich aber werden dies die Pferdefreunde mit Fassung tragen. Auch dem "Glück dieser Erde" sitzt gelegentlich der Schalk im Nacken. Und vielleicht zwinkert es künftig herab – von oben nach unten.

Kurt Buchholz,