Von Hans Otto Eglau

Auf den Gedanken, Lebensmittelhändler zu werden, wäre Egbert Snoek wohl kaum verfallen, wenn nicht während der Weltwirtschaftskrise ein berufliches Mißgeschick seinen Vater, einen aus Leer in Ostfriesland stammenden Autokaufmann, gezwungen hätte, seine drei Söhne vorzeitig aus der Schule zu nehmen. Sohn Egbert, 1913 geboren, hatte bereits die Unterprima erreicht, als er abgehen und damit seinem Wunsch entsagen mußte, einmal Arzt zu werden. Von seinem Bruder, der in einer münsterschen Bonbonfabrik untergekommen war, erfuhr er, daß die zu den Gesellschaftern der Firma zählende Familie Terfloth in der Nähe des Hafens noch eine Lebensmittelgroßhandlung besäße, die vielleicht noch einen Stift gebrauchen könne. Snoek stellte sich dem damals gerade 30jährigen Fritz Terfloth vor und wurde tatsächlich eingestellt.

Daß sein Lehrling das Zeug zu einem ebenso geschickten wie passionierten Verkäufer besaß, erkannte Terfloth schon nach kurzer Zeit. Der junge Snoek nutzte jede freie Stunde, oft sogar seine Mittagspause, um zu den umliegenden Einzelhändlern. zu radeln und mit zwei riesigen Mustertaschen, die links und rechts von seinem Fahrrad herabbaumelten, Reis, Zucker, Gewürze und andere Artikel zu verkaufen.

Daß seine Firma 1931 wegen Illiquidität Konkurs anmelden mußte, war für den ehrgeizigen Lehrling ein harter Schlag. Als Glück erwies es sich jedoch, daß Fritz Terfloth vorrangig aus der Konkursmasse zu befriedigende Gehaltsforderungen geltend machen und so einen Teil des Warenlagers an sich bringen konnte. An seiner Stelle fuhr Egbert Snoek über Land und machte die Vorräte, vor allem Hülsenfrüchte, Bohnerwachs und Schuhcreme, zu Geld. Von dem Verkaufserlös konnte Terflot dann eine neue Firma gründen.

Der junge Egbert Snoek machte jetzt schnell Karriere. Er wurde von Fritz Terfloth zum Prokuristen bestellt und 1943 schließlich sogar als gleichberechtigter Partner in die Firma aufgenommen. Der als Seeoffizier auf dem U-Boot-Stützpunkt Brest stationierte Gründer gab seinem wegen einer vor Leningrad erlittenen Bauchschußverletzung vorzeitig aus der Wehrmacht entlassenen neuen Kompagnon damit alle Vollmachten, die Großhandlung bis zu seiner Heimkehr aus Kriegsgefangenschaft im Jahre 1947 allein zu führen.

In einem halbgeschleiften Luftwaffenlager vor den Toren Münsters fand die ausgebombte Firma Terfloth & Snoek eine neue Bleibe. Durch abenteuerliche Kompensationsgeschäfte gelang es den westfälischen Großhändlern, ebenso abenteuerliche Ware aufzutreiben. Ihre Kunden verblüfften sie unter anderem mit einem Läuse-Bekämpfungsmittel und einer von den Chemischen Werken Hüls bezogenen „künstlichen Milch“.

Mit der Währungsreform gehörte der blühende Tauschhandel jedoch über Nacht der Vergangenheit an. Mit der Ware kehrte auch der Wettbewerb in den Handel zurück, vor dem sich in den Jahren der Knappheit noch nicht einmal Kümmerexistenzen bedroht zu fühlen brauchten. Unter dem Schock des ungewohnten Konkurrenzkampfes wuchs vor allem im mittelständischen Lebensmitteleinzelhandel die Bereitschaft vieler Kaufleute, sich einer der kooperativen Gruppen anzuschließen. Sie wurden Mitglied einer Edeka- oder Rewe-Genossenschaft oder traten einer der freiwilligen Handelsketten, etwa der SPAR- oder A & O-Organisation bei.