DIE ZEIT

Zukunft zu zehnt

Die Erweiterung der EWG zur Zehnergemeinschaft hat keinen geringeren historischen Rang als die ursprüngliche Gründung des Sechserverbundes.

Schrübbers Fall

Der Sachverhalt ist eindeutig: Hubert Schrübbers, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, war im Dritten Reich Ankläger in politischen Strafverfahren.

Kronzeuge Havemann

Als "guter Bürger des ersten sozialistischen deutschen Staates und treuer Kämpfer für die Sache des Kommunismus" ist dieser Tage ein Mann bezeichnet worden, dem solche Titel gerade in jener DDR verweigert werden, als deren Gewissen er sich fühlt: Robert Havemann.

Revolution und Rechtsstaat

Bald wird wohl keiner keinen mehr verstehen. Die Verwirrung der Begriffe hat in der Praxis einen Grad erreicht, der in der Theorie einfach unvorstellbar gewesen wäre.

Rhodesische Farce

Der britische Außenminister Sir Alec Douglas-Home hat seine diplomatische Karriere vor dem Zweiten Weltkrieg begonnen. Aus jener versunkenen Zeit scheint die Vorstellung zu stammen, er könne 15 Juristen und Exkolonialbeamte in Jeeps mit britischer Flagge nach Rhodesien schicken, wo sie fünf Millionen Schwarzen, darunter vielen Analphabeten, ein Abkommen erklären sollen, über dessen wichtigste Passagen nicht einmal der Außenminister selber im reinen ist – nämlich wann denn die versprochene Mehrheitsherrschaft der Eingeborenen Wirklichkeit werden kann: 1980, 2030 oder am St.

ZEITSPIEGEL

Der Parlamentarische Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Karl Moersch, dank der Opposition einer der Hauptakteure in den Fragestunden des Bundestags, wundert sich seit einiger Zeit, warum sich die CDU/CSU bei Fragen zur Außenpolitik so auffallend zurückhält.

Aus Druckerschwärze und Papier

Als die Tinte unter den Verträgen trocken und die Druckerschwärze des Attentats nur noch unter seinen Fingernägeln sichtbar war, gönnte sich Edward Heath einen Abstecher in die Vergangenheit.

Wolf gang Ebert:: Ein starkes Stück

Mal angenommen, ein prominentes SPD-Mitglied gerät in den Verdacht, etwas ausgefressen zu haben. Nehmen wir weiter den ganz unwahrscheinlichen Fall an, er steht unter schwerem Verdacht.

Scheitert Titos Experiment?

Laufen Jugoslawiens politische Uhren rückwärts? Wer in diesen nebelgrauen Wintertagen die kroatische Landeshauptstadt Zagreb besucht, der ist sich der Andersartigkeit des Tito-Staates im Vergleich zu den übrigen Ostblockstaaten nicht mehr so sicher.

Warum die Opposition nein sagt

Schon im ersten Teil seiner Analyse über "Die Ostverträge und die Verfassung" hatte sich Hans Schueler mit den verfassungsrechtlichen Einwänden der CDU/CSU gegen die Ostverträge beschäftigt.

Moskau reagiert mit Mißtrauen

Als Präsident Nixon seine Reise nach Peking ankündigte und die Volksrepublik China Mitglied der Vereinten Nationen wurde, ist die Welt politisch zum Dreieck geworden.

Richard Nixons Reise mit Risiken

Vom Besuch Präsident Nixons in der Volksrepublik China wird viel zu sehen, aber nur wenig zu hören sein. Weder die Chinesen noch die Amerikaner haben den brennenden Wunsch, der Weltöffentlichkeit möglichst viel über die Gespräche mit Mao und Tschu mitzuteilen.

Börner baut hoch

Als er 1957, im Wahlkreis Kassel direkt gewählt, in den Bundestag einzog, hätte er sich mit einigem Geschick alsbald zum Aushängeschild der Arbeitnehmerpartei SPD aufpolieren können.

Streß in Bonn

Streß in Bonn – das war in der vergangenen Woche der Titel einer Fernsehsendung von Hermann Schreiber und Istvan Burg. Die Erschöpfungskrankheit des Bundesverteidigungsministers lieferte dazu eine makabre Pointe.

ZEIT und "Spiegel" haben zu Beginn des olympischen Jahres kritische Porträts der bayerischen Landeshauptstadt veröffentlicht Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel erwidert auf diese "Stadt-Beschimpfung aus Niederdeutschland": Monströses München?

Die Städte sind interessant geworden. Man beschäftigt sich mit ihnen, untersucht ihre Probleme, lobt oder tadelt sie. Man beschimpft sie auch mitunter und prophezeit ihren baldigen Untergang.

Trauriges Schnee-Los

Ein bißchen überzuckert ist die Landschaft wieder, seit am Wochenende ein paar Stunden "leise rieselt der Schnee" die Hoffnungen etwas aufgemuntert haben.

Ruhland-Prozeß: Staatsfeind Nummer null

Als Hannah Arendt, die eigens zum Prozeß nach Israel gefahren war, den Massenmörder Eichmann in seinem Glaskasten beobachtete, da war sie betroffen von der "Banalität des Bösen".

CDU lehnt Ostverträge ab

Der Bundesausschuß der CDU, das höchste Beschlußgremium zwischen den Parteitagen, hat am Montag einstimmig entschieden, die Verträge mit Moskau und Warschau abzulehnen.

Dokumente der ZEIT

"Der Prozeßverlauf wurde bestimmt von vielen Verstößen gegen das Recht. Die Anklageschrift, in der das Wort ,verleumderisch‘ dreiunddreißigmal, das Wort ,antisowjetisch‘ achtzehnmal vorkommt, enthält keinen konkreten Hinweis darauf, welche Tatsachen, die ich westlichen Korrespondenten mitteilte, verleumderisch, welche Schriften, die ich angeblich verteilt habe, antisowjetisch sind.

Tumulte in Rhodesien

Fünfzehn erschossene und sieben durch Bajonette tödlich verletzte Afrikaner, 49 Verletzte und wenigstens 30 bei der Verhaftung mißhandelte Demonstranten – das ist Rhodesiens blutige Bilanz der vergangenen Woche.

Sowjetunion-Japan: Klima verbessert

Mit dem Besuch des sowjetischen Außenministers Gromyko in Tokio hat Moskau am Wochenende nach fünf Jahren Unterbrechung die ursprünglich für jedes Jahr vereinbarten Konsultationen mit Japan wieder aufgenommen.

Krisenherde der Woche

Der amerikanische Präsident Nixon hat am Dienstag den – nach seinen Worten – "ausführlichsten Friedensplan" für Indochina vorgelegt.

Die neueste Verlagskrise

Erst Suhrkamp, dann Rowohlt, kleinere nicht mitgezählt: nunmehr hat auch der Luchterhand Verlag jene Krise, die offenbar unvermeidlich ist, wo bürgerliche Verlage sich für ein Stück Weg auf linksradikale Literatur einlassen.

Credo einer neuen Klasse

Durch eine Anzahl von Fernsehereignissen sieht sich die Minderheit der Homosexuellen plötzlich ins grelle Licht der Öffentlichkeit gezerrt.

Abgedrängt, orientierungslos

Nach Günter Herburgers Polemik gegen die Langeweile des sogenannten Neuen Hörspiels und Uwe Frieseis Zurückweisung der Attacke, nach den Streitschriften zweier Hörspielautoren also, veröffentlichen wir hier als letzten Beitrag die Stellungnahme einesHörspielredakteurs.

Abroad • Del extranjero • De l’étranger: Schüler riefen: "Franco, no!"

Die Bilder in der Madrider Universitätsstadt erinnerten an die Szenerien historischer Kriegsfilme. Auf dem großen Rundplatz zwischen mehreren Fakultäten stand eine Schwadron berittener Polizei bereit, in einer langen Reihe formiert, davor der kommandierende Polizeioffizier, die Pferde mit bunten Decken geschmückt.

Havemanns Interview

Die Stockholmer Zeitung "Expressen" druckte in der vergangenen Woche ein Gespräch, das einer ihrer Mitarbeiter mit dem Ostberliner Marxisten und Physiker Robert Havemann geführt hatte, und zwar in der Wohnung des Schriftstellers Wolf Biermann.

Vom Übermut der Ämter

Kurz vor seiner Verabschiedung durch das Parlament in Bonn hat der Paragraph 26 des Urheberrechtsgesetzes, der deutschen Künstlern bei Weiterverkauf ihrer Werke einen Anteil von 5 Prozent sichern soll, Diskussionen bei allen Beteiligten ausgelöst und Fronten quer durch die Reihen geschaffen (siehe ZEIT vom 21.

Auch mal nein sagen können

Antwort: "Zuerst war ich in der SPD. Ich dachte, auf die Schulreform kann man am besten Einfluß nehmen, wenn man einer politischen Partei beitritt und auf Ortsebene daran mitarbeitet.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Der 27jährige Puertoricaner Feliciano aus New York, Autodidakt, beherrscht die Gitarre virtuos; seine Stimme, von Natur aus eher flach, gewinnt kräftig an Volumen, sobald es leidenschaftlich zugeht, und das geschieht sehr oft.

Kunstkalender

In jedem seiner zahlreichen Interviews und in jedem persönlichen Gespräch betont Julio Le Parc und ist stolz darauf, daß er sich des Widerspruchs bewußt sei, als Künstlerexperimentator in einer kapitalistischen Gesellschaft zu arbeiten.

VON ZEIT-MITARBEITERN

Marcel Reich-Ranicki: "Literatur der kleinen Schritte – Deutsche Schriftsteller heute." Das zuerst 1967 erschienene Buch ist nun in einer nicht nur preiswerten, sondern auch ergänzten Taschenbuch-Ausgabe zu haben.

Last und Lust des Lebens

Der Debüt-Roman von Alan Sillitoe, "Samstagnacht und Sonntagmorgen", erschien Ende der fünfziger Jahre. Damals bekundeten die angry young men ihren (aus heutiger Sicht recht larmoyanten) Protest gegen Kulturspießertum und soziale Stagnation hauptsächlich von der Bühne herab.

Wunderliches von Altenbourg

Endlich, zwei Jahre nach der ersten großen Retrospektive, ist der erste Band von Altenbourg (aus Altenburg) erschienen, auf den wir lange gewartet haben, weil er den Leuten, die sich Originale nicht leisten können, die Chance gibt, die Blätter in halbwegs großen Formaten und annehmbaren Farbreproduktionen vor sich zu haben, sich lange und ungestört mit ihnen zu beschäftigen, sie aus der Hand zu legen und am nächsten Abend wieder vorzunehmen.

Revolution auf Taubenfüßen

Macht: Ich fürchte, den Titel "Alle Macht den Kindern" verschuldet der Verlag; das schwedische Original trug ihn nicht. Über Macht schreibt die Autorin: "Macht in die Hand eines Kindes zu legen, das keinerlei ‚gute Erfahrungen‘ gewonnen hat, das nicht entdecken und erleben’ durfte und kein ‚freier Mensch‘ ist, hieße ein Pulverfaß in die Hände eines Gorillas legen.

KRITIK IN KÜRZE

"New York Party", Roman von Pierre Bourgeade. Dies ist ein ganz wüstes, widerliches, verkommenes und eitles Buch (und natürlich auch eins mit deftigen Kolportagen), und man merkt, daß es genauso ein wüstes, widerliches, verkommenes und eitles Buch werden sollte; nämlich ein Buch über Attica und Rassenkrawalle, über LSD und Bonnie und Clyde, über Sex und weiße Frauen und schwarze Männer.

Ein Bärendienst

Zu den Bärendiensten, die eine hochflutende Wiederentdeckungswelle dem Werk Ödön von Horváths erwies, gehörte leider auch die Hollmannsche Fernsehfassung der Komödie "Zur schönen Aussicht".

FILMTIPS

Im Fernsehen: "Der Todeskuß" (USA 1947), von Henry Hathaway (ZDF 29. Januar). Judas und die Gangster. Die mörderische Mechanik des Verrats macht alle Beteiligten zu Gangstern aus Not, Notwendigkeit oder Passion.

ZEITMOSAIK

Die "Jesus-Musical"-Welle hat jetzt auch Deutschland erreicht, und sie ist gleich bis vors Gericht gerollt. Am 18. Februar wird in Münster der amerikanische Broadway-Hit "Jesus haben Superstar" seine deutschsprachige Premiere haben – eine amerikanische Gruppe wollte dem zuvorkommen und-präsentierte in der Dortmunder Westfalenhalle eine englischsprachige konzertante Version.

Kotullas Film "Ohne Nachsicht" im Fernsehen: Nachrichten aus der Provinz

Wo gibt es das noch hierzulande: daß ein Film seine Sache direkt angeht; daß von der Provinz die Rede ist; daß jemand die Arbeit zeigt, die er kennt; daß jemand die Dinge, die Leute, die Verhältnisse, das Klima, die Landschaft, die blöden liberalen Hoffnungen und die Niederlagen zur Sprache oder richtiger ins Bild bringt, so, wie er sie kennt (und wie wir sie kennen, wenn wir ehrlich sind).

Die "Inflation" hat gesiegt

Der Tadel war milde. Karl Schiller übte nicht eigentlich Kritik an den jüngsten Preiserhöhungen der Automobilkonzerne, er bezeichnete sie lediglich als "riskant".

Sie reden mit drei Zungen

Der Krach um Arbeitgeber-Präsident Otto A. Friedrich hat den schwelenden Streit zwischen den Spitzenverbänden der Wirtschaft verschärft

Vorsicht

Die Maschen der Gesetze sind besonders groß, wo sich deutsches Recht mit ausländischem berührt. Einige Anlageberater haben sich darauf spezialisiert, diesen Umstand für ihre Zwecke zu nutzen.

Unlogisch

Der DGB operiert in letzter Zeit auf gesellschaftspolitischem Terrain etwas unglücklich. Sein Konzept zur Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand ist schon reformbedürftig, bevor es offiziell das Licht der Welt erblickt hat.

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