Von Karl-Heinz Janßen

Andreas Baader hat die Bevölkerung der Bundesrepublik wissen lassen, daß der von ihm und seinem Freundeskreis propagierte "Volkskrieg" eben erst begonnen habe. Es ist üblich geworden, derlei Äußerungen als Phraseologie der Verzweiflung, als putschistisches Abenteurertum, als Spinnerei eines Unreifen abzutun. Wer da meint, er könne die Theorien der "Rote Armee Fraktion" um Baader und Meinhof getrost ignorieren, handelt ähnlich wie der k. u. k. Außenminister Graf Berchtold, der einst mit charmanter Geringschätzung voraussagte, dieser "Herr Bronstein" (alias Trotzkij) im Wiener Café Central werde gewiß nicht die Weltrevolution machen. Jene wollen ernst genommen werden, also nehmen wir sie ernst. Ihre Ziele und Kampfmethoden sind in zwei "Rotbüchern" niedergelegt worden, von denen eines durch amtsgerichtlichen Beschluß aus dem Verkehr gezogen wurde:

Alex Schubert: "Stadtguerilla. Tupamaros in Uruguay – Rote Armee Fraktion in der Bundesrepublik"; Rotbuch 26; Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1971; 130 S., 4,50 DM;

Kollektiv RAF: "Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa"; Rotbuch 29 (beschlagnahmt); Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1971; 71 S., 3,50 DM.

Die unbekannten Verfasser setzen drei Prämissen: 1. Die Neue Linke ist, nach dem großartigen Anlauf der Studentenrevolte, auf halbem Wege steckengeblieben; ihr Ziel hat sie nicht erreicht, ihre Methoden waren ungenügend. 2. Die Solidarität mit den Ausgebeuteten und Unterdrückten ist weltweit; ihnen kann nur geholfen werden, indem das kapitalistische System, allerorten bekämpft wird, und zwar mit der Waffe in der Hand. 3. Die revolutionären Kräfte in der Bundesrepublik und Westberlin sind zu schwach.

Aus dieser konkreten Analyse einer konkreten Situation, ganz wie es Lenin gelehrt hat, folgt nun aber der überraschende Schluß, daß trotzdem "hier und jetzt" der bewaffnete Kampf aufgenommen werden muß. Nach dem Vorbild lateinamerikanischer Stadtguerilla soll "bewaffnete Propaganda" allmählich das Bewußtsein der lohnabhängigen Massen für eine Revolution reif machen. An den Terror, so geht die Spekulation, wird sich das Volk schon gewöhnen, wenn sich erst einmal herumgesprochen hat, daß nur die "Klassenfeinde" angegriffen werden.

Wie sich die RAF eine Großstadtguerilla auf westdeutschem Boden ausmalt, wird unverblümt mitgeteilt: "Aktionen... gegen alle Institutionen" wie "Verwaltungsdienststellen und Polizeiposten", "Direktionszentren der Konzerne", aber auch "gegen leitende Beamte, Richter, Direktoren, und so weiter". "Der Krieg (wird) in die Wohnviertel der Herrschenden getragen."

Irgendwann werden die Abwehrkräfte des Staates durch die Guerilla so zersplittert sein, daß sich die Guerillaorganisation in einigen Stadtbezirken ungestört mit den Massen verbünden und sie im Klassenkampf unterstützen und schützen kann. Die RAF stellt sich diesen gemeinsamen Kampf etwa so vor: Besitzende werden gewaltsam verpflichtet, Kinderläden, ärztliche Betreuungsstellen, Jugendheime zu finanzieren; der städtische Grundbesitz wird schrittweise entmachtet ("Herabsetzung der Mieten", "kollektive Verwaltung der Mietshäuser durch die Mieter"); der Kündigungsschutz für Arbeiter wird verbessert, vermutlich in der Art und Weise, wie unlängst baskische Guerilleros die Wiedereinstellung von fast zweihundert gekündigten Arbeitern erzwangen.

Bei alledem stellt sich die Frage, ob die Spielregeln uruguayischer Tupamaros, brasilianischer Guerilleros und nordamerikanischer Weathermen für westdeutsche Verhältnisse taugen und übertragbar sind. (Müßig allerdings ist der Streit, ob die militante Linke Lenin und Mao richtig auslegt; deren Schriften ergeht es wie der Bibel: wer sucht, der findet.) Die Rezepte von jenseits des Atlantik können seit einiger Zeit gegen geringes Aufgeld auch in Deutsch studiert werden.

Zu Uruguay gibt es außer dem Rotbuch 26, das die Erlebnisse einiger Tupamaros festhält, und der hier vor einigen Wochen angezeigten distanziert-kühlen Analyse von Robert F. Lamberg über "Die castristische Guerilla in Lateinamerika" (Verlag für Literatur und Zeitgeschehen, Hannover – 1971) noch den Erfahrungsbericht eines französischen Sympathisanten

Alain Labrousse: "Die Tupamaros. Stadtguerilla in Uruguay"; in "Reihe Hanser 65"; aus dem Französischen von Johannes Piron; Hanser Verlag, München 1971; 198 S., 9,80 DM.

Die Ursachen der Stadtguerilla in Montevideo sind rasch aufgezählt: schwelende Wirtschaftskrise, eine korrupte Clique von Bankiers und Großgrundbesitzern, die das traditionelle Zweiparteiensystem beherrschen, Belagerungszustand, Mißachtung des Parlaments, Pressezensur. Ohne stillschweigende Unterstützung von Regierungsbeamten, Polizisten und Soldaten wären die Tupamaros sicher nicht so erfolgreich gewesen; ihre Popularität war zumindest solange nicht zu bestreiten, als sie bei ihren Aktionen blutigen Terror vermieden und nach Art eines Robin Hood den Armen gaben, was sie den Reichen nahmen.

Eine radikalere Gruppe schreckte zuletzt auch vor Mord nicht mehr zurück. Labrousse kann nicht verschweigen, daß besonders die "Hinrichtung" des FBI-Agenten Mitrione die Bevölkerung schockierte. Und in seinem Nachtrag zum Wahlkampf von 1971, als zum erstenmal eine "Volksfront" nach chilenischem Muster die alte Parteienhierarchie durcheinander brachte, muß er einräumen: "In den Augen der Massen sind sie (die Tupamaros) tatsächlich nicht mehr die einzige Alternative gegen die autoritäre Regierung der Besitzenden." In acht Jahren des Kampfes hat die Guerilla zwar den Staat in Krisen stürzen, nicht aber aus den Angeln heben können.

Uruguay ist, den Tupamaros zum Trotz, immer noch ein demokratisch verfaßter Staat, dessen Praktiken freilich nicht an den Verhältnissen in der Bundesrepublik gemessen werden dürfen. Einfacher, europäischen Demokraten einsiditiger, sind die Motive der Guerilla in Brasilien. Widerstand gegen eine Diktatur, deren Repräsentanten sich zuweilen noch auf Hitler berufen, stößt auch in "bürgerlichen" Kreisen Westeuropas auf Verständnis. Als jedoch kurz nach den Pariser Maiunruhen der Verlag Editions du Seuil das Handbuch der Stadtguerilla von Carlos Marighela vertreiben wollte, wurde es vom Staat aus Gründen "der nationalen Sicherheit" verboten. Bald darauf haben dreiundzwanzig französische Verleger eine zweite Auflage gemeinsam und unangefochten auf den Markt gebracht. Unbeanstandet erschien es danach, zusammen mit Dokumenten und Analysen, auch in Deutschland.

Aber der Herausgeber meinte sich doch gegen Mißdeutungen schützen zu müssen. In seiner Vorbemerkung heißt er den Kampf der Entrechteten in Brasilien gut, doch "diese Gegengewalt gegen das terroristische Herrschaftssystem des Kapitals in einem Lande anzuwenden, in dem über Mitbestimmung zumindest diskutiert wird, ist eine Verhöhnung der Verdammten dieser Erde". Nur hat ihm die Tücke des Objekts einen Streich gespielt. Márcio M. Alves hatte seinen Beitrag "Zerschlagt die Wohlstandsinseln der Dritten Welt" mit einem Fragezeichen versehen, das auf dem Umschlagdeckel vergessen wurde, so daß dieser rororo-Band nun so knallig im Taschenbuchständer hängt, als sei er eigens von der "Baader-Meinhof-Gruppe" entworfen:

Alves/Detrez/Marighela: "Zerschlagt die Wohlstandsinseln der Dritten Welt"; in "rororo aktuell" 1453/54; Rowohlt-Taschenbuchverlag, Reinbek 1971; 120 S., 2,80 DM.

Die Stadtguerilla in Brasilien – in letzter Zeit erheblich angeschlagen – steckt noch in den Anfängen, und ihre Aussichten sind nicht eben rosig: Erst müßte das Land erobert und eine Partisanenarmee aufgestellt werden, ehe sie das Militärregime stürzte (so Alves); überdies sind,-die Revolutionäre ideologisch zerstritten.

Marighelas Felddienstordnung für die Stadtguerilla, die er seinen Genossen und Nachahmern hinterlassen hat, faßt in Paragraphen, was die Partisanen im Europa des Zweiten Weltkrieges, Juden, EOKA und IRA im Kampf gegen die Engländer, Algerier und Vietnamesen gegen die Franzosen längst praktiziert hatten. Der Guerillero in den Millionenstädten muß die Qualitäten eines Übermenschen haben, soll er im Kampf bestehen: schlau und umsichtig, einfallsreich und geistesgegenwärtig, von unendlicher Geduld und grenzenlosem Optimismus, hart im Nehmen und im Austeilen, an körperliche Strapazen gewöhnt, vielseitig ausgebildet, besonders in technischen Dingen. Überdies soll er ein guter Schütze und Läufer sein. Er ist ständig der Gefahr des Verrats in den eigenen Reihen ausgesetzt. Seine unverzichtbare Waffe heißt – Terrorismus. Es ist seine Aufgabe, Führer und untergeordnete Personen der Polizei und der Streitkräfte zu töten, seine Pflicht, "Spione und Informanten... physisch zu beseitigen", wie es Marighela untertreibend formuliert.

Längere Passagen aus Marighelas "Minimanual" werden auch zitiert in dem reißerisch aufgemachten journalistischen Tatsachenbericht

Warren Hinckle: "Guerilla-Krieg in USA"; mithersg. von Steven Chain und David Goldstein; aus dem Amerikanischen übersetzt von Brigitte Weitbrecht; Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart 1971; 276 S., 18,– DM,

eine etwas wirre Beschreibung des Untergrundkampfes, den schwarze und weiße "Revolutionäre" seit einigen Jahren in den Vereinigten Staaten führen, vornehmlich mit Pistolen und Bomben. Die Analyse läßt zu wünschen übrig. Nur ein Beispiel: "(Die Guerillas) schrauben das Lösegeld hinauf, das die Gesellschaft – wenn sie nicht alle Bombenleger fängt – schließlich für die Stabilität zahlen muß, die sie braucht, um einen Nervenzusammenbruch oder einen Arbeiteraufstand oder den Zusammenbruch des Handels – oder alle drei – zu vermeiden Fast siebzig engbedruckte Seiten lang ist die Dokumentation aller Terror- und Sabotageakte von 1965 bis 1970. Nur hat es den Anschein, als sei der Bogen zu weit gespannt worden, um die Behauptung, daß sich Amerika bereits mitten in einer Guerilla befinde, aufrechterhalten zu können, etwa so: "19. Mai (1970) Grand Rapids, Mich.: Ein Polizist, der einen Autodieb festnehmen wollte, wurde von 15 bis 20 Jugendlichen überfallen. Er wurde mit einem Backstein verletzt. – 20. Mai Carlisle, Pa.: Fünf Molotowcocktails im Wehrkreiskommando waren Blindgänger."

Weitaus gediegener ist die Studie des britischen Journalisten Robert Moss über "Urban Guerilla Warfare", die er im Auftrage des Internationalen Instituts für Strategische Studien in London anfertigte. Er hält die Bombenanschläge in den USA für das Werk einer irrsinnigen Randgruppe und beileibe nicht für den Beginn einer echten Guerilla. Allgemein befindet er über die Stadtguerilla, daß moderne Staaten damit leben können, solange ihre Streitkräfte loyal bleiben: "Fraglich ist nur, zu welchem Preis. Nach aller Erfahrung sind leider die Polizeistaaten am erfolgreichsten bei der Unterdrückung terroristischer Gruppen. Niemand wird erwarten, daß die Sowjetunion oder Südafrika von einer Stadtguerilla überrollt würden."

Zu ähnlichen, traurig stimmenden Schlüssen kommt ein amerikanischer Soziologe von der Lincoln University:

Martin Oppenheimer: "Stadt-Guerilla"; aus dem Englischen von Samuel Wahrhaftig; Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt/Berlin 1971; 202 S., 18,– DM.

Unter allen Publikationen über die moderne Form der Guerilla hat dieses Buch drei große Vorzüge: es ist historisch-soziologisch fundiert im Urteil, genau in der Terminologie und realitätsnah im gedanklichen Experiment und in der politischen Prognose. Oppenheimer bringt zunächst einmal Klarheit in die Begriffswelt, zeigt die Unterschiede und Parallelen zwischen Banditen und Partisanen, Gangstern und Terroristen, zwischen Unruhen, Aufständen und Volkskriegen. Seine Formulierungen sind treffsicher, oft brillant. ("Leute mit Waffen, aber ohne Ideologie, sind Banditen. Leute mit Ideologie, aber ohne Waffen, sind Liberale.")

Auf der Suche nach den Idealen der jugendlichen Guerilleros stieß er auf irrationale Elemente, die bei den Revolutionären von links und von rechts gleichermaßen anzutreffen sind: "Solidarität, Kameradschaft, Einigkeit, Bruderschaft, Gemeinschaft. – Es ist eine Art linker Goldwaterismus, für den Dorf, Kleinstadt oder Getto. Stätten der Tugend sind, in denen Entfremdung sich verliert."

Mit der Verachtung rationalen Denkens, der Souveränen Mißachtung etwaiger Folgen paart sich die Anbetung der Gewalt, der Aktion: "Gewalt kann keine heilende Wirkung ausüben, sie gefährdet vielmehr die humanitäre Komponente einer jeden sozialen Bewegung, wenn sie diese Komponente nicht sogar restlos zerstört." Das ist auch dann noch wahr, wenn sich Gegengewalt entlädt, auch dann noch, wenn kein anderes Mittel mehr hilft. Nur wird es die jungen Untergrundkämpfer kaum überzeugen, zumal hier ein Mann aus der Bürgerrechtsbewegung spricht, ein Verkünder der gewaltlosen Gewalt. (Diskussionen in deutscher Sprache leiden unter dem Übel, daß sie nicht unterscheidet zwischen violence = Gewalttätigkeit und power Gewalt im Sinne von Macht.)

Zur Verherrlichung der Gewalt paßt das Elitebewußtsein der Radikalen, die sich im Anfang bewußt von den Massen isolieren. Sie können, wenn ihre Aktionen nicht den erhofften Solidarisierungseffekt im Volke erzielen, nicht auf unabsehbare Zeit überwintern; je ferner das Ziel, um so größer ihre Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.

Ist aber einmal die Gesellschaft wirklich von revolutionärer Unruhe erfaßt (Berlin am 17. Juni 1953, Budapest im Oktober 1956, Paris im Mai 1968, Danzig im Dezember 1970), weil die Belastungen (Oppenheimer nennt es strain) unerträglich werden, dann ist noch keineswegs garantiert, daß ein Aufstand erfolgreich sein wird. Wichtig ist zweierlei: Wo steht die Mehrheit des Volkes? Und wie funktionsfähig, wie flexibel in ihren Reaktionen ist die Regierung? Oppenheimer hält es da mit den marxistischen Theoretikern Engels und Debray, die beide die Chancen bewaffneter Aufstände in den Städten skeptisch beurteilen, da die Kämpfe in der Regel mit der Vernichtung der revolutionären Kräfte enden (Pariser Kommune).

Wie eine Ergänzung zu Oppenheimers Thesen liest sich der Neudruck einer illegalen Komintern-Publikation aus dem Jahre 1928:

(A. Neuberg) Hans Kippenberger, M. N. Tuchatschewski, Ho Chi Minh: "Der bewaffnete Aufstand. Versuch einer theoretischen Darstellung"; eingeleitet von Erich Wollenberg; in der Reihe "basis"; Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt a. M. 1971; 304 S., 5 Skizzen, 9,– DM.

Lange Zeit galt der deutsche Kommunist Heinz Neumann als ihr Verfasser. Wie nunmehr der Altkommunist Wollenberg enthüllt, verbarg sich hinter dem Pseudonym Neuberg ein Autorenkollektiv, dem so berühmte Kommunisten angehörten wie General Tuchatschewskij und die Komintern-Agenten Ho Tschi Minh und Palmiro Togliatti. Wollenberg und Kippenberger schrieben den Bericht über den kommunistischen Aufstand in Hamburg-Barmbek im Oktober 1923; allerdings mußten sie die politischen Hintergründe verschweigen. Alle als Beispiel erwähnten Aufstände (Reval, Hamburg, Schanghai, Kanton) waren von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen, weil maßgebende Funktionäre in der Parteizentrale die Lage falsch eingeschätzt hatten.

Manche der militärischen Anleitungen für den Volksaufstand (Kampfobjekte, Stadtcharakteristik, Aufklärung im Straßenkampf, Verbindungsdienst, Barrikadenbau, und so weiter) werden den Guerilleros von heute noch nützlich sein. Doch müßten sie dann auch die Ermahnungen der Komintern-Zentrale über die Bedingungen eines bewaffneten Kampfes beherzigen: "Vor allem müssen die entscheidenden Schichten der werktätigen Bevölkerung bereit sein, mit der Waffe in der Hand zu kämpfen." "Die unumgänglichste Voraussetzung für den Erfolg... ist die ideologische Vorbereitung... unter den Massen." – "Andernfalls sind Abweichungen zum Sektierertum und grobe opportunistische Abweichungen unvermeidlich."

Derart vorsichtig operieren die Kommunisten auch. heutzutage noch, wie sich am Verhalten der südamerikanischen Parteien und der KPF im Mai 1968 leicht nachweisen läßt. Die berühmt gewordenen Widerstandsbewegungen Mao Tsetungs und Ho Tschi Minhs handelten nicht auf Befehl Moskaus, vielmehr dem Befehl sogar zuwider.

Was die Altkommunisten aus bitterer Erfahrung wußten, hat Martin Oppenheimer für die Gegenwart wissenschaftlich erhärtet: Städtische Aufstände, die von der Bevölkerung nicht unterstützt werden, können von den modern ausgerüsteten Sicherheitskräften des Staates unterdrückt werden. Für die linken Revolutionärs aller Kontinente hält er zum Schluß eine erschreckende Botschaft bereit: "Eine Revolution kann nicht in der Retorte erzeugt werden. Eine neue Gesellschaft kann nicht geboren werden, ehe ihre Stunde gekommen ist. Der Versuch, sie zu früh zur Welt zu bringen, bevor noch die alte Ordnung den Weg geebnet hat, ist Abenteurertum und muß beinahe zwangsläufig zu einer konterrevolutionären, faschistischen Gesellschaft führen oder aber zu einer revolutionären Diktatur, welche gerade die Ziele zerstört, zu deren Verwirklichung die Revolution durchgeführt worden ist."