Von Leona Siebenschön

Einmal am Tag in der Nase bohren, einmal am Tag laut Scheiße sagen, einmalam Tag schmusen – dann geht es euch gut! Das ist die Botschaft der Birne. Und Birne kommt an.

Ob in Kindergärten, Schulen oder Buchgeschäften, ob in Buxtehude oder Niederbayern, immer zeigen Kinder ihre Begeisterung, wenn der Vater von Birne sich seinem jüngsten Publikum stellt. Günter Herburger (40), Lyriker, Romancier („Jesus in Osaka“) und jetzt erstmals auch Kinderbuchautor, hat erreicht, was in dieser Sparte selten ist: Seine Leser (zwischen 5 und 12 Jahren) fühlen sich bestätigt und ermuntert. Sie quittieren das Verständnis, wo immer der Autor auftaucht, mit der gleichen Tollerei: ohrenbetäubendes Brüllen, brandenden Applaus.

„Birne kann alles“ und „Birne kann noch mehr“ heißen die beiden Erzählbände (je 26 Geschichten, 12,80 DM, Luchterhand) von Herburger; sie haben wider Erwarten eine Lücke gefüllt, einen Erfolg jenseits von Absatz und Geschäft zu verbuchen. Wo immer Schüler mit Birne arbeiten, wird der Unterricht zum Abenteuer, das Lernen zum Spaß.

Der Held der 52 phantastischen Geschichten, eine atomgetriebene Glühbirne mit menschlichen Fähigkeiten, ein technisches Superding mit dem Mut eines Weltraumfahrers und dem Gerechtigkeitssinn eines Jesu, wurde von Herburger-Sohn Daniel (8) erfunden, der sich für Rumpelstilzchen nie begeistern konnte, wohl aber für den Umkehrschub bei bremsenden Düsenmaschinen.

Daniel brauchte unbedingt Gute-Nacht-Geschichten zum Denken, sonst konnte er nicht gut schlafen. Er bekam sie. Vater und Sohn ließen Birne leben. Und seitdem siegt sie überall, wo Kinder nicht spielen dürfen, Arbeiter ausgenutzt werden, Politiker auf Wahlfang das Volk belügen. Herburger: „Die Kinderbücher sind die politischsten Bücher, die ich bisher geschrieben habe.“

Zwar verschleiert Bürgersohn Herburger nirgends seine gesellschaftskritische Überzeugung. Doch in die Sparte der sogenannten „Linken Literatur fürs Kinderzimmer“ sind die Birne-Bücher nicht einzureihen: Sie liefern in erster Linie Abenteuer und Information, Nonsens und Humor, Leben und eben nicht lehrhafte Polit-Parolen.