Also sprach der Vorsitzende Mao: „Die Führer und das Volk dürfen nie vergessen, daß China ein großes sozialistisches Land ist, gleichzeitig aber arm und wirtschaftlich zurückgeblieben – und das ist ein großer Widerspruch.“

Maos Appell aus dem Jahre 1957 ist nicht auf taube Ohren gestoßen. Zwar drangen zwischen 1960 und 1970, dem „Jahrzehnt des Schweigens“, nur spärliche Nachrichten aus der Volksrepublik China ins Ausland. Doch in den letzten Monaten gab die amtliche Agentur Neues China präzise Produktionsziffern bekannt, die auf beachtliche Fortschritte hinweisen:

  • Von 1970 bis 1971 betrug die Wachstumsrate der Produktion in Industrie und Landwirtschaft zehn Prozent.
  • Die Stahlerzeugung wurde im gleichen Zeitraum um 18 Prozent gesteigert und erreichte 21 Millionen Tonnen. (Das entspricht etwa der Produktion Frankreichs und der Hälfte der Produktion an Stahl in der Bundesrepublik.)
  • Die Industrieproduktion erreichte 1971 einen Wert von 320 Milliarden Mark (Bundesrepublik: rund 600 Milliarden Mark).
  • Die Kohleförderung näherte sich mit über 450 Millionen Tonnen der Größenordnung der USA und der UdSSR. Zuwachsrate: acht Prozent.
  • 1971 wurden 246 Millionen Tonnen Reis, Getreide und Kartoffeln geerntet, womit China von ausländischen Lieferungen erstmals völlig unabhängig wurde.

Als Ministerpräsident Tschu En-lai im Februar 1971 (also vor dem Bericht der Agentur Neues China) dem amerikanischen Journalisten Edgar Snow erklärte, sein Land produziere nun 10 bis 15 Millionen Tonnen Stahl im Jahr, da wurde dies im Westen als gelinde Übertreibung angesehen. Doch die Zweifler sind stiller geworden.

Im September 1971 verkündete Neues China: „Dem chinesischen Volk geht es besser als jemals zuvor.“ Die Berichte von Besuchern im Reich der Mitte scheinen dies zu bestätigen. Heute braucht kein Chinese mehr zu hungern. Und nach amtlichen Meldungen aus Peking ist in den letzten 20 Jahren das Durchschnittseinkommen des chinesischen Arbeiters um 50 Prozent gestiegen – bei stabilen oder gar sinkenden Preisen.

Ein Arbeiter verdient danach im Jahr durchschnittlich 650 Yüan (knapp 1000 Mark); Einkommensteuer wird nicht erhoben. Die monatlichen Ausgaben für Nahrungsmittel werden auf etwa 50 Mark geschätzt (vgl. Tabelle). Miete, Wasser und Elektrizität kosten den Chinesen (so Neues China im September 1971) in der Regel vier oder fünf Prozent des Familieneinkommens.

Die medizinische Versorgung der Bevölkerung Ist in China kostenlos. Wer allerdings „Luxusartikel“ wie Uhren oder Radios kaufen will, muß tief in die Tasche greifen.