Wirtschaft

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DIE ZEIT

Neuer Posten für Rush

Am vergangenen Sonntag hat ein Mann die Bundesrepublik verlassen, dem mehr als irgendeinem anderen einzelnen das Zustandekommen des Berlin-Abkommens zu danken ist: Kenneth Rush – bis zur vorigen Woche US-Botschafter in Bonn, seit dieser Woche stellvertretender Verteidigungsminister in Washington.

Pekinger Puzzle

Selbst langgedienten. China-Beobachtern muß es die Sprache verschlagen haben: Die chinesischen Regierungsmitglieder empfangen Richard danach mit fast beleidigender Kühle, und kurz danach gewährt ihm, vorzeitig und protokollsprengend, der gottähnliche Vorsitzende Mao eine Audienz; aus dem Volk der 700 Millionen finden sich nicht einmal ein paar Dutzend Menschen, um den Präsidenten in den Straßen der Hauptstadt zu begrüßen, aber am Tag darauf stehen die Chinesen in Schlangen vor den Kiosken, um die Pekinger Volkszeitung mit ausführlichen Berichten über Nixons Besuch zu kaufen.

Eine Geste guten Willens

Die DDR hat lange gezögert, aber am Tage vor der großen Bonner Ostdebatte gab sie sich dann doch einen Ruck: Zu Ostern und Pfingsten will sie zeitweilig jene deutsch-deutschen Regelungen in Kraft setzen, die das Viermächteabkommen enthält.

Deutschland steht zur Debatte

Der Zufall führte Regie. In derselben Woche, in der Präsident Nixon nach China reiste und damit der Weltöffentlichkeit die spektakulärste außenpolitische Aktion seiner Amtszeit vorführte, diskutierte der Bundestag das wichtigste außenpolitische Thema dieser Legislaturperiode: die Ostverträge.

Klimmzüge in Kairo

Es muß immer wieder verwundern, auf welche Ausreden Ägyptens Präsident Sadat verfällt, um seine Landsleute bei der Stange zu halten.

Nie neigte Nixon sich so tief

Niemals vorher, sahen die Amerikaner ihren Präsidenten sich vor einem fremden Staatsmann so tief verneigen wie vor dem greisen Bauernrevolutionär.

ZEITSPIEGEL

„Ein herausragendes Zeichen der Prinzipientreue und Konsequenz der Sowjetunion beim Schutz der Errungenschaften, des Weltsozialismus ist die internationale Hilfe, die sie den Werktätigen der ČSSR.

Diese Woche debattiert der Bundestag über die "Lage der Nation". Im Mittelpunkt steht eine Frage, auf die unsere Geschichte keine klare Antwort gibt: Was ist Deutschland?

Ein Mann, der heute als "letzter Preuße" beim Bundesverfassungsgericht die Einheit der Nation einklagen möchte, des nationalen Defätismus unverdächtig – Franz Josef Strauß hat als einer der ersten jenes Kreuz über die Wiedervereinigung gesetzt, das nicht einmal der sowjetische Außenminister Gromyko setzen mochte.

Kritiklosigkeit als Methode

Fast noch druckfrisch sind die „Materialien zum Bericht zur Lage der Nation 1972“, doch schon dem Vergessen überliefert. Der Bundesregierung und dem wissenschaftlichen Team unter Professor Peter Christian Ludz, der die Materialien in diesem Jahr auf einen umfassenden Vergleich der Rechtssysteme in beiden deutschen Staaten konzentriert hat, bleibt das Aufsehen um eine Arbeit erspart, die auf dem Wege ist, zu einer chronique scandaleuse zu werden.

Poker um die Anerkennung

Die Deutschland- und Außenpolitiker der Bundesregierung müssen zwei Fragen beantworten: 1. Was ist innerhalb begrenzter Zeit im Verhältnis zur DDR erreichbar? 2.

Brüsseler Karussell

Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften, die sonst eher im Stillen wirkt, ist ins Gerede geraten. Namen werden genannt und Vermutungen geäußert, die um die Stabilität des wichtigen Gemeinschaftsorgans bangen lassen.

Recht für Angela Davis

Im US-Bundesstaat Kalifornien ist die Todesstrafe abgeschafft worden. Die; Gaskammern werden geschlossen. Von dieser Gesetzesänderung „profitieren“ Charles Manson, der Anstifter zum Mord an der Schauspielerin Sharon Tate, und Sirhan Sirhan, der Robert Kennedy erschoß.

Römische Rivalität

Sagt meinetwegen, daß mir schlecht geworden ist“, murmelte unter dem Rasierschaum eines römischen Barbiers der Mann, auf den das Staatseberhaupt, der Ministerpräsident und dreiundzwanzig Minister der 33.

Zwist um Zypern

Wieder einmal macht Zypern Sorgen. Die Verantwortlichen in Athen und Nikosia geben sich nach der ersten Aufregung zwar etwas zurückhaltender.

Gebremster Allende

Chiles Opposition machte ihre Drohung wahr und blockierte die Wirtschaftspolitik des sozialistischen Präsidenten Allende. Am Wochenende nutzte sie ihre parlamentarische Mehrheit, um in fünf Abstimmungen Verfassungsänderungen durchzusetzen, die eine Verstaatlichung von Privateigentum ohne ausdrückliche Zustimmung des Kongresses untersagen und die Grenzen privater, staatlicher und gemischter Betriebe umreißen.

Heath in Nöten

Jeder Regierungschef wird seine eigene Methode bevorzugen, damit er die wichtigen Dinge nicht vergißt, die es zu erledigen gibt.

Moskau rückt näher

Als ich 1939 zum erstenmal mit der Lufthansa in die Sowjetunion flog, dauerte der Flug von Königsberg nach Moskau sechs Stunden.

Wettrüsten in den Weltmeeren

Das neue weltpolitische Dreieck Washington–Moskau–Peking ist noch immer eine sehr ungleichgewichtige Konstruktion. Politisch mag die Volksrepublik China zur Weltklasse aufgestiegen sein, militärisch jedoch spielt sie in der Regionalliga.

Nobles Urteil

Sechs alte Männer büßen nun schon seit mehr als zwanzig Jahren für eine Schuld, die durch keine Buße je getilgt werden kann – für Untaten aus der Zeit nationalsozialistischer Schreckensherrschaft.

Ideologischer Zwang

Ich war mir bewußt, daß die staatliche Beteiligung nur eine Übergangsform in der gesellschaftlichen Entwicklung sein konnte“, bekannte Werner Zeuke, Mitinhaber der Zeuke und Wegwerth KG, auf dem Parteitag der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) in Weimar.

Boykotthetze

In der letzten Wochenendausgabe leistete sich Die Welt ein perfides Stück. Ihr Chefredakteur Herbert Kremp referierte unter dem Pseudonym Maximilian Trammer über einen Artikel des Spiegel.

Im Sumpf

Jetzt hat auch Harburg seinen Skandal: Durch Vermittlung des Generalkonsuls von Tunis in Bonn erwarb eine private Wohnungsbaugesellschaft eine 84 000 Quadratmeter große Sumpfwiese in Hamburg-Harburg (Ortsteil Neuland) zu einem Quadratmeterpreis von 109 Mark.

Die überstimmten Genossen

Als erstes forderten einige Genossen, den gerade eröffneten Kölner SPD-Parteitag wieder zu schließen. Denn, so argumentierten sie: „Die Würfel sind doch längst gefallen.

Tristan aus der Konfektion

Es wäre alles so schön gewesen. So schön, daß kein Groschenroman-Autor es besser hätte erfinden können: eine ins Banalste degradierte Tristan-und-Isolde-Geschichte; die Millionärsgattin mit der Sehnsucht nach wahrer Liebe, der arme Konfektionsverkäufer – spontane Liebe im BMW 2000.

Von der Mutter verfolgt?

Nurdas Volk weiß, wer und wie der Mörder ist“, hat der Kriminologe Armand Mergen einmal ironisch angemerkt. Die Kriminalpsychiatrie redet gern davon, daß ihrer Wissenschaft enge Grenzen gezogen seien, sofern der Beschuldigte oder der Angeklagte sich nicht offenbare.

Denkpause

Die Schwenninger Protestanten sind in sich gegangen und nachdenklich geworden. Wir berichteten darüber: Ihr Kirchengemeinderat hatte beschlossen, die Namen derer, die aus der Kirche austraten, jeweils am Ende des Gottesdienstes vom Pfarrer bekanntgeben zu lassen.

London: Knapper Sieg

Nur mit Hilfe der Liberalen entging der britische Premierminister Edward Heath in der vergangenen Woche bei der zweiten Lesung der EWG-Beitrittsvorlage im Unterhaus einer Niederlage: Mit einer Mehrheit von acht Stimmen setzte er.

Mao spricht mit Nixon

Das historische Ereignis begann zehn Minuten früher als geplant: Um 11.28 Uhr MEZ stoppte am Montag die Boeing 707 „Spirit of ’76“ des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon auf dem Flughafen von Peking.

Neue Gerüchte im Ostblock

Zwei Ereignisse der vergangenen Woche haben erneut zu Spekulationen über einen verstärkten sowjetischen Druck auf Rumänien geführt.

Krisenherde der Woche: Blutiger Anschlag

Die illegale Irisch-Republikanische Armee. (IRA) hat am Dienstag als Vergeltung für den „Blutsonntag“ von Londonderry, bei dem dreizehn Menschen getötet worden waren, einen Sprengstoffanschlag auf die Offiziersmesse der 16.

Dokumente der ZEIT

„Präsident Nixons Besuch in unserem Lande auf Einladung der chinesischen Regierung bietet den Führern beider Länder die Möglichkeit eines Treffens, um nach einer Normalisierung der Beziehungen zu suchen und Ansichten über die Fragen auszutauschen, die beide Seiten beschäftigen.

Araber entführen deutschen Jumbo-Jet

Zum erstenmal ist ein deutsches Verkehrsflugzeug entführt worden. Am Montagabend brachten fünf Araber einen Jumbo-Jet der Lufthansa in ihre Gewalt und zwangen die Mannschaft, auf wechselnden Kursen nach Aden zu fliegen.

Ostverträge: Debatte eröffnet

Einen Tag vor der 1. Lesung der Ostverträge der Bundesregierung im Bundestag hat die DDR am Dienstag einen überraschenden Coup gelandet: Ostberlin gab das vorzeitige Inkrafttreten der im Rahmen des Viermächteabkommens über Berlin festgelegten innerdeutschen Vereinbarungen für Ostern und Pfingsten bekannt.

Ein David und viele Goliaths

In den letzten Jahren, in denen man Charlie Chaplins Filmen eigentlich nur sehr selten begegnen konnte – sie waren auf Vorstadt-Kinos verstreut, oft zu unzureichenden „Versionen“ verstümmelt –, war man immer geneigt, den für den schönsten zu halten, den man gerade zufällig gesehen hatte.

Bernard Schultze:

Mancherlei Gründe gibt es, mich gegen die derzeit diskutierte Fassung des Folgerechts zu wenden. Nichts habe ich gegen einen Sozialfonds.

HAP Grieshaber:

Klaus Geldmacher protestiert gegen den Folgerechtsparagraphen 26 des Urheberrechts (ZEIT Nr. 4). Für ihn sind 100 renommierte Künstler kulturpolitisch relevant, denn 100 deutsche Künstler werden gehandelt, sagt Klaus Geldmacher.

Galerist Hans-Jürgen Müller:

Für Bonn scheint die Verabschiedung der Neufassung des Urheberrechts durch den Deutschen Bundestag kaum mehr als eine Routinesache, verschönt durch eine gute Absicht: Das Gesetz, um das es geht, verspricht, mehr soziale Gerechtigkeit für deutsche Künstler zu bringen.

Gretchenfrage an den Senator

Die Berufung marxistischer Wissenschaftler an bundesdeutsche Hochschulen ist, wie die Auseinandersetzungen um die „Fälle“ Gottschalch und Holzer in Bremen und Holz in Berlin während des vergangenen Jahres bewiesen haben, ein Politikum – auch für die zuständigen Landesregierungen.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Der kleine Soldat“ (Frankreich 1960), von Jean-Luc Godard (Hessen III 25. Februar), war lange in Frankreich verboten, weil Godard auf dem Höhepunkt der Algerienkrise mit Kritik nicht sparte.

Kunstkalender

Die erste der drei Jubiläumsausstellungen, mit denen das Museum Folkwang seinen 50. Geburtstag feiert. Im Lauf des Jahres wird einer staunenden Öffentlichkeit vorgeführt, was die Mitglieder des Museumsvereins an Kunst der Welt bei sich privat angesammelt haben, und das ist nicht wenig, das imponiert durch Quantität und Qualität.

KRITIK IN KÜRZE

„Das enteignete Bewußtsein“ – Zur dialektischen Sozialpsychologie, von Hans Kilian. Kilian geht davon aus, daß menschliche Selbsterkenntnis, mag sie sich auch für ewig gültig ausgeben, historisch veralten und in Verzug geraten kann gegenüber der fortschreitenden Realität.

Es ist soweit

Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, welcher Kult mit dem Tod bei uns seit der Romantik getrieben worden ist. Zeugnis dafür sind etwa die Bildbände mit edel photographierten Totenmasken, deren Begleittexte meist voll sind von einer nebulosen Todesmystik und einer unzähmbaren Interpretationslust, zu der sich die Autoren vom „letzten Gesicht“ inspirieren ließen.

Wo seine Füße gestanden haben

Das Zitat stammt aus einer Kreuzzugspredigt: "Wo seine Füße gestanden haben" Es könnte das Motto dieses Buches sein, das alles in den Schatten stellt, was bislang an Bilderbibeln und Palästina-Atlanten auf den Markt gekommen ist: die Geschichte des Jesus, wiedererzählt an Hand von Photos und Texten aus dem Neuen Testament, ergänzt durch Essays von Theologen, Archäologen und Kunsthistorikern.

Das Leben – eine Falle

Die Bücher John Updikes trafen bisweilen – sowohl diesseits als auch jenseits des Ozeans – auf heftigen Widerstand. Verwunderlich ist das nicht.

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