Als gesicherter Besitzstand der Physiker galt bislang die Erkenntnis, daß Uran mit der Ordnungszahl 92 das schwerste in der Natur vorkommende chemische Element sei. Im September des vergangenen Jahres erhielt die Familie der natürlichen Elemente jedoch erstmals Zuwachs: Glenn Seaborg damals Chef der amerikanischen Atomenergiekommission, hatte die Delegierten der Genfer Atomenergiekonferenz mit der Mitteilung überrascht, daß Wissenschaftler des Los Alamos Scientific Laboratory Spuren von Plutonium – Ordnungszahl 94 – im kalifornischen Gestein aufgefunden hätten.

Nunmehr ist auch das missing link – Neptunium mit der Ordnungszahl 93 – entdeckt worden, allerdings auf dem Mond. Ein Kernchemikerteam des Argonne National Laboratory berichtete unlängst auf einer Konferenz in Houston über dieses überraschende Resultat der Apollo-12-Mission. Das Argonne-Team unter der Leitung von Paul R. Fields untersuchte Gesteinsproben vom Mond in einem sehr empfindlichen Massenspektrographen und konnte winzige Spuren des exotischen Elements isolieren.

Unterdes rätseln die Forscher, wie das Neptunium auf dem Mond entstanden sein könnte. Neptunium hat eine Halbwertzeit von zwei Millionen Jahren, so daß Überreste, die vielleicht bei der Entstehung unseres Planetensystems erzeugt worden sind, längst zerfallen sein müssen. Die Annahme, daß Neptunium durch das Bombardement von Uran mit hochenergetischen Protonen, die von der Sonne ausgeschleudert werden, dauernd nachproduziert wird, kann auch nicht alles erklären: Die Anzahl der auf dem Mond einfallenden Protonen kann allenfalls für den zwanzigsten Teil der vorgefundenen Neptuniummengen verantwortlich sein. A. F.